München - Der deutsche Chiphersteller Infineon hat im Schlussquartal 2002/03 zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben, im Gesamtjahr aber den dritten Verlust in Folge verbucht. Für das im Oktober angelaufene, neue Geschäftsjahr gab sich der Münchener Konzern zuversichtlich und kündigte einen Gewinn an. Allerdings warnte Infineon vor übertriebener Euphorie. Der Markt zeigte sich enttäuscht, die Aktie fiel über drei Prozent.

"Bis auf den Geschäftsbereich Drahtgebundene Kommunikation meldeten alle Geschäftsbereiche ein positives EBIT", erklärte der sechstgrößte Halbleiterkonzern der Welt am Montag nach neun Quartalsverlusten in Folge. "Diese positive Entwicklung wurde im Wesentlichen durch Produktivitätssteigerungen, eine deutliche Erhöhung der Stückzahlen, höhere DRAM-Preise sowie durch den Gewinn aus dem Verkauf der Anteile an dem taiwanischen Unternehmen ProMos getragen."

Schumacher zuversichtlich

Konzernchef Ulrich Schumacher gab sich mit Blick auf das Geschäftsjahr 2003/04 (zum 30. September) zuversichtlich: "Ich bin der Ansicht, dass wir von einer Markterholung sprechen können, doch wir sollten nicht zu enthusiastisch sein." Damit ruft Infineon ähnlich wie die Konkurrenten Intel oder Samsung das Ende der Flaute in der seit mehr als zwei Jahre krisengeschüttelten Halbleiterbranche aus.

Vor Steuern und Zinsen (EBIT) verbuchte Infineon von Juli bis September ein Gewinn von 67 (Vorquartal minus 116) Millionen Euro. Unter dem Strich fiel ein Plus von 49 (minus 116) Millionen Euro an. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorquartal um 19 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. 20 von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem EBIT von 95 Millionen Euro sowie einem Umsatz von 1,61 Milliarden gerechnet.

Markt-Erholung schlägt sich in Zahlen nieder

"Die Zahlen von Infineon hätten - auf den ersten Blick - gar nicht besser ausfallen können", sagte Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Die Erholung des Marktumfeldes schlägt sich nun im Zahlenwerk nieder." Vielleicht hätten aber einige insgeheim auf eine Überraschung gewartet. Gewinnmitnahmen seien nicht ausgeschlossen. "Die zugegebenermaßen hohen Erwartungen wurden nicht erfüllt", kommentierte ein Händler die Zahlen.

Die Infineon-Aktie, die seit März rund 150 Prozent zugelegt hat, gab 2,27 Prozent auf 13,34 Euro nach und war damit um 10 Uhr stärkster Verlierer im Deutschen Aktienindex. Der DAX verlor 0,48 Prozent.

Das Quartalsergebnis wurde stark durch Sondereffekte im Geschäftsbereich Speicherchips (DRAMs) beeinflusst. So verbuchte Infineon hier einen Gewinn von 60 Millionen Euro aus dem Verkauf seiner Anteile am ehemaligen Joint Venture ProMos.

24 Sammelklagen

Zugleich nahm der Konzern eine Rückstellung in Höhe von 28 Millionen Euro angesichts einer US-Untersuchung wegen möglicher Wettbewerbsverletzungen bei DRAMs vor. 24 Sammelklagen seien gegen Infineon und andere Firmen eingegangen, hieß es. Die finanziellen Folgen seien noch nicht absehbar. "Sollte Infineon in einem oder mehreren dieser Verfahren unterliegen, würde das zu erheblichen finanziellen Verpflichtungen und anderen nachteiligen Folgen für das Unternehmen führen."

Mit Blick auf die Zukunft bekräftigte Schumacher Aussagen aus einem Reuters-Interview von knapp zwei Wochen. "Sofern die Marktbedingungen stabil bleiben, sind wir aus heutiger Sicht überzeugt, dass wir im gesamten Geschäftsjahr 2004 einen Gewinn erzielen werde", erklärte er. 2003/04 sollten die Investitionen zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro liegen, für Finanzanlagen seien weitere 200 bis 400 Millionen Euro geplant. Infineon werde dabei eher am oberen Ende der Spanne liegen.

Kräftiges Plus bei DRAMs

Kräftig zulegen konnte Infineon im Quartal bei DRAMs: Hier wurde bei einem Umsatzplus von 34 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein EBIT von 134 (Vorquartal drei) Millionen Euro eingefahren. Im Sorgenbereich Sichere Mobile Lösungen (SMS) schafft Infineon mit vier (minus 17) Millionen Euro den Eintritt in die Gewinnezone. Die Sparte Festnetzkommunikation verfehlte sie hingegen mit einem Minus von acht (99) Millionen Euro knapp. Für das vierte Quartal rechnet Infineon bei SMS aber bereits wieder mit einem Nachfragerückgang.

Im Gesamtjahr 2002/03 blieb Infineon zum dritten Mal in Folge in den roten Zahlen. Unter dem Strich fiel bei einem Umsatz von rund 6,15 (4,89) Milliarden ein Verlust von 435 Millionen Euro nach 1,02 Milliarden Euro im Vorjahr an. (APA/Reuters)