Graz - Ein obersteirischer Frauenarzt, der bei mehreren Patientinnen Behandlungsfehler begangen haben soll, wird sich nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten müssen. Die Anklage basiert auf dem medizinischen Gutachten des Abteilungsleiters der Wiener Uni-Klinik für Frauenheilkunde, Peter Husslein. Der Mediziner untersuchte zahlreiche Fälle, in denen der Frauenarzt falsch entschieden haben soll - zur Anklage kamen nur vier Fälle.

Der 61-jährige Mediziner muss sich in einem Fall wegen fahrlässiger Tötung und in drei weiteren Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Eine Patientin war laut Anklage im August 2002 an Gebärmutterkrebs gestorben. Der Arzt soll laut Staatsanwaltschaft die Erkrankung der Frau zu spät erkannt und sie außerdem unzureichend behandelt haben. In 19 weiteren Fällen wurden die Untersuchungen eingestellt.

Umstrittene Alternativ-Methoden

Dem obersteirischen Arzt wird unter anderem vorgeworfen, seine Patientinnen nicht rechtzeitig zur möglicherweise lebensrettenden Mammographie geschickt zu haben. Umstritten waren auch die Alternativ-Methoden des Mediziners: So soll er unter anderem Medikamente "ausgependelt" haben. Dabei ging es darum, mit einem speziellen Gerät auszutesten, welche Mittel für eine Patientin am verträglichsten sind.

Ein Verhandlungstermin im Landesgericht Leoben stand zunächst noch nicht fest. (APA)