Graz - Das Team von Graz 2003 könnte an sich zufrieden sein. 2,5 Millionen Besucher wurden bisher bei den Veranstaltungen der Kulturhauptstadt gezählt, die Hotellerie verzeichnete gegenüber dem Vorjahr ein Nächtigungsplus von 28,5 Prozent. Und am Sonntag wurde das Programm in London mit dem "Globe Award" für das weltweit beste Tourismusprojekt bedacht.

An sich könnte daher alles paletti sein. Aber mitnichten. In Graz neidet man den Organisatoren den Erfolg, macht sie für die Finanzmisere der Stadt verantwortlich. Zu allem Überdruss sind Eberhard Schrempf und Manfred Gaulhofer als Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft nun auch selbst mit pekuniären Problemen konfrontiert. Was zur Folge hat, dass die Achse zum steirischen herbst (die Intendanten Wolfgang Lorenz und Peter Oswald sind gute Freunde) empfindlich gestört ist.

Subventionen vielen dünner aus als erwartet oder abgemacht

Der ursächliche Grund liegt schon lange zurück: Entgegen der Vereinbarung steuerte der Bund nicht ein Drittel der Gelder bei, sondern um 3,63 Millionen Euro weniger. Und die EU ließ nur 500.000 Euro springen (statt der erwarteten Million). Landeshauptmann Waltraud Klasnic stellte dem Team aber im Februar eine Nachbedeckung von 1,45 Millionen in Aussicht. Den Rest versprachen die Chefs einzusparen - und kürzten u. a. die Mittel für den herbst um 726.000 Euro auf die Hälfte.

Peter Oswald war nahe der Verzweiflung. Zumal auch die List-Halle, die er zu begeistert (aber auch auf Anraten von Graz 2003) anmietete, viel Geld zu verschlingen begann. Klasnic wollte ihn nicht hängen lassen - und Oswald erbat im Mai 640.000 Euro.

Auch ihm wurden Hoffnungen gemacht. Vor wenigen Tagen aber wurde bekannt, dass Oswald seine Nachbedeckung nicht zusätzlich erhält, sondern aus den 1,45 Millionen, mit denen Graz 2003 bisher gerechnet hatte. Der herbst-Intendant durfte jubeln: Über die Hintertüre bekam er wieder jenes Geld herein, das ihm Graz 2003 gestrichen hatte.

Ringen um die schwarze Null

Die Kulturhauptstadtmacher indes mussten den Verlust von 640.000 Euro zur Kenntnis nehmen. Die Gespiegelte Stadt läuft zwar weiter, aber die sündteure Übertragung des Meeres von Triest wurde abgeschaltet. Am 29. November gibt es zwar als Abschluss eine Licht- und Toninstallation, die Idee eines Festes aber wurde fallen gelassen. Dennoch klafft ein Loch von 300.000 Euro. Das Team bleibt zuversichtlich: Durch Verkauf von Installationen und Relikten dürfte die schwarze Null doch noch erreicht werden.

Man hätte aber viel lieber Überschüsse erzielt, um mit ihnen 2004 im Sinne der Nachhaltigkeit Kulturprojekte zu finanzieren, die sich die Stadt nicht leisten kann oder will. VP-Kulturstadtrat Christian Buchmann soll über diese geplante Gegenkulturpolitikaktion nicht gerade glücklich gewesen sein. Jetzt kann er beruhigt sein. Und Otto Hochreiter, den er als Berater engagierte, Konzepte erstellen lassen. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2003)