Wir sind mit dem Wundenlecken beschäftigt. So lautet die entschuldigende Antwort auf die Frage, warum sich die hohen Schulen derzeit so wenig in gesellschaftspolitische Diskussionen einmischen: von der Steuerreform bis zur Schulpolitik. Es herrscht schlechte Stimmung. Die prekäre Budgetlage des heurigen Jahres hat den Gegnern der Unireform in die Hände gespielt: Zwar hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Doch vom Gängelband des Ministeriums in die sprichwörtliche "Mangelverwaltung" entlassen zu werden, machte selbst aus den gutmütigsten Reformbefürwortern frustrierte Kritiker.

Nun zeichnet sich endlich budgetäre Entspannung ab. In den vergangenen Wochen wurden 15 Millionen Euro für die bereits begonnene Umsetzung des ab dem nächsten Jahr geltenden Gesetzes gezahlt. Und ab 2004 gibt es dann deutlich mehr Geld. Von Mangelverwaltung kann bei künftig knapp zwei Milliarden Euro (inklusive Mieten) ohnehin nicht die Rede sein. Polemisch gesprochen müsste Fensterputzen ja dann wohl wieder drinnen sein. Auch im internationalen Vergleich ist das kein bescheidener Betrag. Unterdurchschnittlich dotiert ist in Österreich lediglich die Forschungsförderung.

Die weit reichende (und auch international Beachtung findende) Reform sollte einige der mannigfaltigen Probleme der hohen Schulen lösen: Endlich kann autonom Geld zu "hörerintensiven" Fächern umverteilt werden; die Pragmatisierung wird abgeschafft; kleine Königreiche (Ein-Mann-Institute) wanken durch die angestrebte Neugliederung; die zeitweise ganz schön lähmende "Basisdemokratie" wird zurückgedrängt; das Service für Studenten müsste besser werden. Zumindest langfristig. Dazwischen wird es wohl noch ein paar Empörungsschreie geben. Aber voraussichtlich weniger als im zu Ende gehenden Jahr. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2003)