Johanna Tomek und Johann Wulf Lampl im Kampf ums Überleben.

Foto Theater m.b.H.
"Nostradamus hat Edward Bond erreicht. Im Schlaf.", schrieb die Berliner taz angesichts der Welturaufführung von Das Verbrechen des einundzwanzigsten Jahrhunderts im Jahr 1999. Das letzte Stück des in den 60er-Jahren berühmt gewordenen britischen Dramatikers skizziert ein Untergangsszenario so altbacken, als handelte es sich dabei um eine postatomare 70er-Jahre-Landschaft:

Eine gigantische Militärmacht kontrolliert ein Land, in dem die Reichen im schicken Getto, der Rest völlig (sprach-)verwahrlost in verbotenen Zonen vegetiert: "Gibt nix wohin." Warum das Wiener Theater m.b.H. beim nunmehrigen "Neustart" ohne fixes Haus (die Spielstätte Zieglergasse wurde ganz aufgegeben) sich ausgerechnet auf diesen eigentümlich nachgereichten Text kaprizierte, bleibt schleierhaft.

Regisseur Dieter Boyer rührt am Beckett-Ort und mit Strindberg-Figuren am alten Katastrophentheater. Johanna Tomek, Walter Benn, Johann Wulf Lampl und Barbara Braun mühen sich in einer leer stehenden Halle des Wiener Kabelwerks an drastischen Darstellungen des Überlebenskampfes ab. Ein Härtetest nicht nur für sie, auch für das Publikum. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2003)