Bagdad - US-Soldaten und Bewohner in Bagdads größtem Stadtteil sind sich uneinig über die Umstände, die zum Tod von Muhannad Kaabi führten. Wollte er nach einer Waffe greifen? Hat er versucht, einen US-Soldaten zu Boden zu werfen? Wurde er kaltblütig umgebracht?

Beide Seiten stimmen jedoch darüber ein, dass dies ein neuer Rückschlag für die Bemühungen der USA war, Unterstützung in der wichtigen Bürgerschaft von Sadr-Stadt zu gewinnen. Nach einem Schreiduell und einigen Minuten Handgemenge schoss am Sonntag ein Soldat Kaabi nieder, den Mann, der den von den USA eingesetzten Stadtrat im Zwei-Millionen-Slum führte. Sein Tod lässt Anhänger der USA verzweifelt nach Erklärungen suchen und gab Kritikern neue Beweise, dass unter der US-Besatzung Ruhe unmöglich ist.

Der Streit brach um Mittag vor dem Gebäude des Stadtrates aus, als Kaabi, ein 28-jähriger Mechaniker, der den Stadtrat seit mehr als drei Monaten führte, in seinem Auto ankam. In einer Sachverhaltsdarstellung der US-Armee heißt es ohne Erwähnung von Kaabis Namen, dass US-Soldaten das Fahrzeug von der Fahrt durch das Eingangstor abhielten. Kaabi stieg aus und stritt mit den Soldaten, heißt es, dann versuchte er, die Barrikaden zu durchbrechen. Ein Soldat feuerte laut Protokoll einen Warnschuss, Kaabi soll nach der Waffe des Soldaten gegriffen haben und erhielt von einem zweiten Soldaten einen "Schuss in den Oberschenkel" - Stunden später starb er in einem Militärspital. (Anthony Shadid/Washington Post/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2003)