Wien - Rund hundert Österreicher erkranken pro Jahr an lebensgefährlichen Meningokokken-Infektionen. 70 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche. Eitrige Meningitis, Gliedmaßen-Amputationen und tödliche Sepis können die Folge sein. Fachleute empfahlen deshalb am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien eine Impfung, die in Österreich etwa 30 Prozent der Erkrankungen verhindern könnte.

"Binnen Stunden entwickelt sich eine lebensgefährliche Erkrankung mit Hautblutungen, die so stark sein können, dass Amputationen notwendig werden. Hinzu kommt die eitrige Meningitis. Wir haben durch die Einführung der Hämophilus-Impfung für Kinder im Jahr 1993 diese Form der eitrigen Meningitis ausgerottet. Wir könnten aber auch rund ein Drittel dieser Fälle durch Meningokokken-Infektionen verhindern. Deshalb müssen wir auch für diese Impfung kämpfen", erklärt der Präsident des Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin, der Salzburger Kinderarzt Univ.-Prof. DDr. Ernst G. Huber.

Gefürchtete Auslöser

Neben den Pneumokokken sind die Meningokokken die gefürchtetsten Auslöser invasiver Infektionen mit Gehirnhautentzündungen und Sepis als mögliche Folgen. Eine Antibiotikatherapie muss im Ernstfall sofort einsetzen. Bei plötzlich auftauchendem hohen Fieber, Kopf-, Gelenks- und Muskelschmerzen sowie Nackensteifigkeit, Lichtscheu und punktförmigen Flecken auf der Haut ist sofort sprichwörtlicher Alarm zu schlagen.

Mit einem so genannten Konjugat-Impfstoff der neuesten Generation kann mit einer Impfung vor den Meningokokken vom Serotyp C ein mehr als 90-prozentiger Schutz erzielt werden. Univ.-Prof. DDr. Egon Marth, Vorstand des Hygieneinstituts in Graz: "Zwischen 20 und 30 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen in Österreich entfallen auf diesen Keimtyp."

Laut österreichischer Meningokokken-Initiative sollte die Impfung generell bei Säuglingen durchgeführt werden. Hinzu kommt die Empfehlung für die Immunisierung von Jugendlichen, die in Internaten, Kasernen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht sind (z.B. auch bei Sprachreisen, speziell nach Großbritannien).

Das Problem: Bis zu zehn Prozent der Menschen tragen ohne Symptome Meningokokken im Rachenraum. In der kalten Jahreszeit können sie dann im Verlauf von banalen Erkältungserkrankungen per Tröpfcheninfektion andere Menschen anstecken.

Selbsthilfegruppe

Von mehreren Pharma-Unternehmen wird auch an konjugierten Meningokokken-Impfstoffen gearbeitet, die einen besseren Schutz gegen möglichst viele Serotypen der Keime bieten sollen. Bis dahin sollte - so die Fachleute - aber nicht auf die vorhandene Möglichkeit zur Immunisierung verzichtet werden.

Um eine Plattform für Betroffene zu bieten, wurde jetzt eine Selbsthilfegruppe Meningokokken gegründet. Leiterin ist Christine Freund, welche seit 17 Jahren auch die Selbsthilfegruppe der Zeckenopfer (FSME) organisiert. (APA)