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Im Versuch gelang es, Generationen von Schaben durch manipulierten Brokkoli zu vergiften.

Foto: apa/dpa/kasper
Ithaca/USA - Wenn man schon Kulturpflanzen derart gentechnisch verändert, dass sie Insektizide produzieren, dann sollte man am besten gleich zwei verschiedene Gift-Gene einbauen. Wie Jian-Zhou Zhao von der Cornell University in Ithaca (US-Bundesstaat New York) in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Biotechnology" berichtet, entwickelten Kohlschaben (Plutella xylostella) gegen zwei verschiedene transgene Toxine aus manipulierten Brokkoli-Pflanzen keine Resistenzen.

Wie Insekten gegen herkömmliche Pestizide Resistenzen entwickeln können, schaffen sie es auch gegen Toxine von transgenen Pflanzen. Die Gift produzierenden Gene, die den Pflanzen ins Erbgut eingebaut werden, stammen häufig vom Bakterien. Schädlinge werden anfangs ratzeputz vernichtet, bis irgend ein Tier - rein zufällig - eine Mutation aufweist, die es gegen das Toxin immun macht. Das eine Individuum würde sich - etwa auf einem Feld mit gentechnisch veränderten Früchten - schlagartig vermehren und die zufällig entstandene Resistenz an die Nachkommen weitergeben.

Insekten-Tod im Glashaus

Wesentlich schwieriger ist es für die Schädlinge, Resistenzen gegen zwei verschiedene Gifte zu entwickeln. Denn dazu müsste ein Tier laut gängiger Evolutionstheorie zufällig und gleichzeitig Mutationen gegen beide Gifte entwickeln, und das ist relativ unwahrscheinlich. Die Resistenz stufenweise aufzubauen - zuerst gegen das eine und dann gegen das andere Toxin - geht nicht, denn selbst wenn ein Tier gegen Gift A immun ist, bringt es das Gift B immer noch um.

Die amerikanischen Forscher testeten die Theorie in einem eigens dafür entwickelten System im Glashaus. Dazu wurden Brokkoli-Pflanzen mit Genen des Bakteriums Bacillus thuringiensis ausgestattet. Ein Teil der Pflanzen produzierte das Insektengift "Cry1Ac" ein anderer Teil "Cry1C" und ein weiterer Teil beide Gifte. Als Schädling wurde die Kohlschabe "Plutella xylostella" eingesetzt, die Versuche liefen über 24 Generationen der Insekten.

Tatsächlich erbrachte das Experiment, dass gegen die doppelt manipulierten und zwei Gifte produzierenden Brokkoli-Pflanzen offenbar kein Kraut gewachsen war. Auch nach 24 Generationen überlebten praktisch keine Kohlschaben die Mahlzeit an dem vergifteten Gemüse. Wenig brachte dagegen das Mischen von einfach-manipulierten Pflanzen auf den Versuchsfeldern, wobei die verschieden modifizierten Brokkolis sowohl zeitlich nacheinander, als auch bunt gemischt ausgesetzt wurden. In jedem Fall überlebte ein Teil der Kohlschaben. (APA)