Vaduz - Die Außenminister Islands, Norwegens und Liechtensteins haben am Dienstag in Vaduz mit vierwöchiger Verspätung ein neues Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) unterzeichnet. Grund für die Verzögerung war ein Veto von Vaduz gegen den EWR-Beitritt Tschechiens und der Slowakei. Liechtenstein forderte von den beiden EU-Beitrittskandidaten, dass diese das Fürstentum als einen "seit langem bestehenden und anerkannten Staat" respektieren, der im Ersten und Zweiten Weltkrieg neutral gewesen sei.

Die Forderung stand im Zusammenhang mit Enteignungen der Liechtensteiner Familien, auch der Fürstenfamilie, in der früheren Tschechoslowakei nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Norwegen und Island solidarisierten sich zunächst. Sie unterschrieben das Abkommen ebenfalls nicht, machten später aber Druck auf Liechtenstein, das Problem zu lösen.

Vertiefung der Verankerung des Kleinstaates in Europa

Trotz Unterzeichnung des um zehn EU-Beitrittsländer erweiterten EWR-Abkommens fordert Liechtenstein weiterhin, von Tschechien und Slowakei anerkannt zu werden, wie das Presseamt in Vaduz mitteilte. Die Zustimmung zum neuen EWR-Abkommen sei in enger Abstimmung mit dem Parlament und dem Fürsten erfolgt. Für die Liechtensteiner Regierung bedeutet die Unterschrift "einen Schritt vorwärts". Er soll die Verankerung des Kleinstaates in Europa weiter vertiefen.

Liechtenstein wurde 1719 reichsunmittelbares Fürstentum und mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 souverän. Von 1815 bis 1866 war Liechtenstein Mitglied des Deutschen Bundes, nach dem Ersten Weltkrieg ging es durch eine Reihe von völkerrechtlichen Vereinbarungen eine enge Verbindung mit der Schweiz ein und übernahm 1924 deren Währung. Seit 1990 ist das Fürstentum Mitglied der Vereinten Nationen, nachdem es 1978 in den Europarat aufgenommen worden war. Die Eigenständigkeit und Neutralität des Landes wurde im Zweiten Weltkrieg auch von Nazideutschland respektiert. (APA/sda)