... und Migräne-Patienten die Hölle sein, sondern für jeden. Die meisten wissen es nur nicht ...


Man kriegt die reinste Paranoia, wenn man liest, was Glutamat alles mit uns anstellen kann, wenn man ein wenig empfindlich darauf reagiert: Kopfweh, Migräne, Magen-Irritationen, Brechreiz, Durchfall, Asthma, Kurzatmigkeit, Panik- oder Angst-Attacken, Herzrhytmusstörungen, teilweise Paralyse, Herzinfarkt-artige Symptome, Gleichgewichtsstörungen, Verwirrungszustände, Stimmungsschwankungen, Verhaltensauffälligkeit (bei Kindern und Jugendlichen), allergische Reaktionen jeglicher Art, Hautschälungen, rinnende Nase, Tränensäcke, Depressionen und noch eine ganze Menge mehr, was die Seite des Anti-Glutamat-Vereins „no msg“ auflistet. Klar, all das kann von anderen Ursachen ebenfalls herrühren, aber oft schieben wir diverses Unwohlsein eben auf Wetter, Lebenswandel oder sonst was, und dabei könnte es an einer der perfidesten Arten liegen, wie uns heutzutage der Mund wässrig gemacht wird: Natriumglutamat ist nämlich ein Neurotransmitter, in unserem Nervensystem aus eigener Erzeugung vorhanden, um Reize zu verstärken, grob vereinfacht gesprochen.

1909 kam ein japanischer Wissenschafter drauf, dass es einen Grund gibt, warum das Algenkonzentrat, das man in Japan gerne als Würzung verwendet, den Dingen einen so tollen, komplexen und befriedigenden Geschmack verleiht („Umami“), Natriumglutamat nämlich, und fortan wurde das weiße Pulver künstlich hergestellt und fand rege Verwendung vor allem in der asiatischen Küche. Von 900.000 Tonnen pro Jahr weiß die Literatur, und davon, dass wir 8 bis 12 g davon täglich zu uns nehmen. Was eben echt nicht die feine französische Art ist, denn Natriumglutamat ist kein Würzmittel wie etwa Salz (Natriumchlorid), es ist ein Trick, dem Gehirn Lustgewinn vorzugaukeln. Je mehr davon in einer Speise drin ist, desto besser schmeckt sie uns, egal, ob die übrigen Zutaten von minderer oder besserer Qualität sind. Ein Paradies für die Nahrungsmittelindustrie, die auf den Packungen zwar verpflichtet ist, Geschmacksverstärker anzugeben (E 620-625, 631), dies aber auch ganz gerne umgeht, indem sie Zutaten angibt, in denen selbst Natriumglutamat drin ist, das dann nicht mehr extra genannt werden muss, etwa Hefebestandteile, Gelatine, Proteine, Caseine, „Würzmittel“ und so weiter und so fort. Das, was gemeinhin als „Glutamat“ beim Chinesen erkannt wird, „dass es so gallertig ist und so“, ist übrigens nur halbrichtig, das sind meistens Pilz-Extrakte oder Haifischflossen-Suppe, die mit Glutamat nur unmittelbar zu tun haben.

Und wenn man in die Küche französischer Edel-Bistros geht, kann man die Dose mit der Aufschrift „Magic“ ebenfalls antreffen. Soll heißen, Glutamat ist nahezu überall drin, in nahezu jeder Konserve, als natürliches Vorkommen übrigens auch in Käse. Dabei ist das wahrscheinlich nur ein Vorgeschmack auf das, was uns in Zukunft noch blüht: Da sich Produkte, die uns glücklich machen, besser verkaufen als solche, die uns nicht glücklich machen, wird es bald auch schon Fruchtjoghurts geben, in denen Serotonin oder irgendwelche sexuellen Reizstoffe drin sind. Also Joghurt löffeln und sich wie nach dem vierten Orgasmus fühlen – toll, wer wird da nicht zugreifen ...

Eine erschreckende Vorstellung, finde ich, und noch erschreckender, dass diese Idee sicher nicht ich und jetzt und hier als erster hatte, sondern dass die Industrie da schon jahrzehntelang dran forscht (Viagra funktioniert übrigens auch via Neurotransmitter) Was also tun? So oft wie möglich mit frischen Zutaten kochen, bei jedem Restaurantbesuch fragen, ob Glutamat verwendet wird und wenn ja, in Form welcher Produkte. Mühsam, klar, aber nur so bringt man die Gastronomie dazu, die Sache etwas ernster zu nehmen und – wenn es dann zu mühsam wird – deklariert Glutamat-freie Produkte zu ordern. Von alleine passiert es leider nicht, wir Konsumenten müssen mal wieder ran ...