Der ab Mitternacht in Kraft tretende unbefristete Streik der ÖBB hat am Dienstagnachmittag bei den Pendlern bei der S-Bahnstation Heiligenstadt gemischte Reaktionen hervorgerufen. Manche zeigten Verständnis, andere äußerten sich über den Zugausfall verärgert. Vorkehrungen für den morgigen Tag hatten die meisten getroffen. Sie gaben an, gemeinsam mit Kollegen zu fahren, oder sich überhaupt frei zu nehmen.

"Ich bleib morgen daheim"

"Ich bleib morgen daheim", sagte Wilhelm Silberbauer, der jeden Tag aus Horn rund eine Stunde mit Bahn und U-Bahn zu seiner Arbeitsstelle im Innenministerium pendelt. Mit dem Auto sei die Fahrt mangels Parkplätzen eher sinnlos, so seine Einschätzung: "Wo soll ich denn stehenbleiben?" Mit dem Streik solidarisiere er sich aber dennoch: "Es geht ja um mehr als die Bahn."

Der Tullner Johann Höller gab an, die Fahrt gemeinsam mit einem Kollegen im Auto anzutreten. Um dem Frühverkehr auszuweichen werde er rund eine Stunde früher aufbrechen als normal. Er zeigte sich "noch" geduldig mit den Eisenbahnern: "Nach diesem Streik sollte aber Ruhe sein."

Gemischte Reaktionen bei den Pendlern

Zu viert werden morgen früh vier Pendler aus Muckendorf den Weg zur Arbeit antreten. Christine Marx, die als Sachbearbeiterin in der Wiener Innenstadt arbeitet, hat sich bereits mit drei Bekannten aus der Ortschaft abgesprochen. Angenehm sei das allerdings nicht, betonte sie. Schließlich müsse jeder auf die Fahrtkollegen warten. Sie konnte der Arbeitsniederlegung nur wenig abgewinnen. Auch im Kollegenkreis stoße der Streik auf Ablehnung, meinte die Frau. Etwa bei jenen, die deswegen einen Urlaubstag opfern müssten.

Ebenfalls verärgert zeigte sich Maria Eartea, die morgen in Wien einen Kurs abhalten sollte. Den müsse sie verschieben und jede versäumte Stunde später nachholen: "Schließlich haben die Schüler dafür bezahlt." Den Sinn der Arbeitsniederlegung bezweifelte sie. Vielmehr habe sie viel Verständnis für die Reform.

"Jein"

Ein nach eigener Auskunft jahrzehntelanger Bahnkunde aus Hadersdorf kündigte an, die ÖBB auf Schadenersatz zu klagen. "Ich verfahre morgen den Diesel und die Monatskarte läuft trotzdem weiter." Ob er den Streik befürworte: "Jein". (APA)