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Anton Innauer: "Wir bieten eine ernsthafte Show, wir lassen uns nicht kolonialisieren."

Foto: APA/Gindl

Wien/Innsbruck - Der Mensch soll kein fliegender Sack sein. Die Anzüge sind nun enger geschneidert, sie lassen Körperformen, bei Skispringern traditionell Haut und Beine, erkennen. "Früher sind die Leute von alleine geschwebt", sagt ÖSV-Sportdirektor Anton Innauer und glaubt deshalb, "dass nun wieder der Athlet wichtiger ist. Natürlich geht es immer noch über die Leichtigkeit. Aber die Sprungkraft gewinnt an Bedeutung."

Die Nordischen haben einen Winter ohne große Titelkämpfe zu überstehen (die Alpinen detto), sie werden es laut Innauer packen. "Der Weltcup ist der Arbeitsplatz. Dort wird das Geld verdient, das ist der Beruf." Abgesehen davon steigt Ende Februar und in Planica eine Weltmeisterschaft im Skifliegen. "Die absolute Königsdisziplin, die bringt Quoten." Darauf komme es an, leider und Gott sei Dank. "Das Fernsehen ist das wichtigste Transportmittel und bringt das große Geld. Der Sport ist eben auch nur ein Kind der Zeit." Das Produkt Skispringen werde, so Innauer, angenommen. "Weil es gut ist. Es hat sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt. Das Prinzip ,wer zahlt, schafft an' passt nicht zu uns. Der Skisport lässt sich nicht pervertieren und kolonialisieren, er entscheidet selbst, wer siegt und verliert. Diese gestalterische Freiheit darf man sich nicht nehmen lassen."

Natürlich sei die "Starmania-Philosophie" gefährlich. "Mechanismen setzen ein, die von der Leistung abgehoben sind. Man muss aufpassen, das der Sport nicht zum Bluff verkommt. Slalomfahrer Rainer Schönfelder nimmt zum Beispiel Platten auf, gibt Konzerte, überdeckt möglicherweise, dass andere auf der Piste mehr gewinnen als er. Er kommt dauernd vor. Ich sage es wertfrei, es ist seine Angelegenheit. Aber jede Show braucht Ernsthaftigkeit."

Österreichs Springer haben im vorigen Winter im Kollektiv beeindruckt, der Nationencup wurde überlegen gewonnen. Bei der Tournee gab es allerdings keinen Tagessieg, bei der WM genau null Medaillen, Innauer hat das schon gewurmt. Die Arrivierten, also Leute wie Andreas Widhölzl, Martin Höllwarth oder auch Andreas Goldberger, müssten mehr "Eigenverantwortung übernehmen. Es liegt an ihnen, große Champions zu werden. Dazu muss man lernen, zu sich selbst ehrlich zu sein."

Die Jungspunde, also Thomas Morgenstern, Christian Nagiller oder Florian Liegl, gehörten dafür "intensiv betreut". Cheftrainer bleibt der Finne Hannu Lepistö.

Das Bewusstsein

Der Weltcup beginnt am 28. November in Kuusamo, Innauer traut Höllwarth, Widhölzl und Morgenstern (Gewinner des Sommer-GP) den Gesamtsieg zu. "Wenn sie dazu bereit und dem Druck gewachsen sind." Österreich sei halt ein Land, "indem das Bewusstsein geschaffen wurde, dass man im Winter ein Abonnement auf Siege hat. Im Skispringen ist das aber nicht so. Das wird von sieben bis acht Nationen hochprofessionell betrieben. Da wird enorm investiert. Das ist überall möglich, dazu bedarf es keines Gletschers in Hintertux." (Christian Hackl, DER STANDARD PRINTAUSGABE, 12.11. 2003)