...den Kinderprostitutionsstrich an unserer nördlichen Grenze zu Tschechien aufgedeckt. Die tschechischen Behörden haben indigniert reagiert und sind vom Mauern und Nichtwahrhabenwollen zum Gegenangriff übergegangen: Der ORF habe die Sache aufgeblasen. Das wirkte in der couragierten Reportage, die unter teils gefährlichen Umständen zustande kam, keineswegs so. Die "Rechtfertigung" für den journalistischen "Übergriff" auf das Territorium eines benachbarten Staates, mit dem uns ohnehin ein heikles Verhältnis verbindet, ergibt sich aus der Tatsache, dass vor allem österreichische (und auch deutsche) Pädophile die Kundschaft für diese widerliche und schwer kriminelle Praxis bilden. Die Weigerung der tschechischen Verantwortlichen, das Unübersehbare zu sehen, ist nicht besonders landesspezifisch. In Tschechien und anderen Reformländern sind allerdings die staatlichen Strukturen immer noch von der Diktatur und dem folgenden Chaos beschädigt. Deswegen muss der Anstoß manchmal von außen kommen und in diesem Fall hat der ORF erstklassig seinen Auftrag erfüllt. (DER STANDARD, Printausgabe vom 12.11.2003)