Wissenschaftliches Objekt
"Augenfarbentafel"
(2500/3500 €; Ausschnitt)

Foto: Dorotheum
Großaufgebot in der letzten Novemberwoche: Kinsky versteigert Gemälde/Antiquitäten. Das Dorotheum bietet 19. und 20. Jahrhundert, Silber, Juwelen, Möbel und historische Instrumente. Dazu extra: WW-Auktionen.


Wien - Nach der sehr geglückten Jubiläumsauktion im Kinsky Ende Oktober könnte man annehmen, dass die Kauffreudigkeit des heimischen Publikums wieder im Zunehmen begriffen ist. Ob dies eine nette Eintagsfliege war oder ob dieser Trend anhält, werden die Auktionen in der letzten Novemberwoche beweisen. Der international nach wie vor stark nachgefragte Jugendstil und die Wiener Werkstätte werden in eigenen Auktionen zum 100. Jubiläum beworben (Bericht folgt): am 25. 11. im Dorotheum und am 27. im Kinsky. Am 28. findet im Kinsky eine gemischte Auktion statt (Gemälde, Zeitgenossen, Antiquitäten)

Die vierte und letzte Dorotheum-Auktionswoche dieses Jahres kommt neben den Zeitgenossen mit einer enormen Auswahl des in letzter Zeit stetig prosperierenden Silberbereichs (Barock bis Jugendstil) einher, weiters mit Ölgemälden und Aquarellen des 19. Jahrhunderts, Schmuck/ Juwelen sowie mit der recht neuen Sparte der historischen Instrumente und Globen.

Bei Letzteren werden zum Teil Objekte angeboten, die durchwegs von Surrealisten oder Zeitgenossen stammen könnten - dabei sind etwa die 16 Glasaugen, die aus einer grauen Fläche starren, bloß eine "Augenfarbentafel" aus 1915.

"Landschaften, Stillleben und schöne Damen" werden für das 19. Jahrhundert angekündigt - der Gipfel für viele der heimischen Klientel. Das Toplos, ein tadelloser Gauermann mit Pferden und einem reitenden Bauernbuben an der Tränke, wurde zwischen 100.000 und 130.000 Euro angesetzt. Österreichische Orientalisten finden sich auch in diesem Segment, interessant auch wegen der vom Museum Wien ausgerichteten Schau in der Hermesvilla.

Ganz zeitgenössisch wirken die - in letzter Zeit gern gekauften - quadratischen Formate Carl Molls. Bei der Klassischen Moderne und den Zeitgenossen bietet das Dorotheum ein 1930 entstandenes Bild: Am Heustadlwasser im Prater für 50.000 bis 70.000 Euro. Die echten Kaliber von Zeitgenossen werden diese Woche in New York gehandelt, in Wien kommen eher lokale Größen zum Tragen, wie etwa Schmalix oder Brandl.

Schwerpunkt bei der Möbel (und dekorative Kunst)-Auktion am 24. 11. sind Schreibmöbel aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Auf den Historismus-Schreibtisch (Fa. Sormani Veuve Paul et Fils, nach 1878) oder den Alexandre-Tahan-Damenschreibtisch (12.000-14.000 €) muss heute wahrscheinlich auch ein Computer oder Laptop passen.

Kaiserliches Kochen verspricht dem künftigen Besitzer einer Silber-Deckelpfanne aus dem persönlichen Tafelservice Napoleons I. (M. G. Biennais, 10.000-12.000 €). Und es soll ja Leute geben, die sich für Pferderennen-Siegerpokale erwärmen: Einer aus 1801, Steward's Cup London, wird zwischen 12.000 und 14.000 Euro geschätzt.

Eine gehörige Bandbreite also im Jahresfinish. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2003)