STANDARD: Ist ein unbefristeter Streik nicht überzogen? Was kann es dann noch für eine Steigerungsform geben? Nürnberger: Dieser Streik ist völlig gerechtfertigt. Was soll eine Gewerkschaft tun, die kein Visavis hat, welches bereit ist, vernünftige Verhandlungen zu führen? Was sind das für Verhandlungen, wenn man im Vorhinein sagt, an den Eckpunkten darf nicht gerüttelt werden? Darüber hinaus verdienen die Kolleginnen und Kollegen bei der Eisenbahn die vollste Solidarität und Unterstützung aller anderen. Wenn man bei denen so leicht in einen Einzeldienstvertrag oder Kollektivvertrag eingreifen kann, ist das nur eine Frage einer kurzen Zeit, bis das auch überall anders der Fall ist.

STANDARD: Wie schätzen Sie die Stimmung in der Bevölkerung ein?
Nürnberger: Die Stimmung in der Bevölkerung ist eine andere, als in den Medien dargestellt wird. Es gibt sehr hohe Zustimmung. Die Leute haben Verständnis.

STANDARD: Haben Sie keine Angst, dass die Stimmung kippen könnte?
Nürnberger: Das hängt davon ab, wie es uns gelingt, die Beschäftigten in den anderen Betrieben aufzuklären.

STANDARD: Ist die Gewerkschaft noch zu Gesprächen mit der Regierung bereit? Nürnberger: Die Gewerkschaft war immer zu Gesprächen bereit, aber das müssen sinnvolle Gespräche sein, bei denen man eine Lösungen finden will. (DER STANDARD Printausgabe, 13.11.2003)