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Stets für politisch Kontroversielles gut: Mikis Theodorakis, hier im August bei einem Konzert im ehemaligen Internierungslager auf der Insel Makronisos

Foto: APA/epa/ Orestis Panagiotou

Athen - Der für markige Polit-Statements bekannte griechische Musiker und Komponist Mikis Theodorakis hat nun mit einer antisemitischen Äußerung für Aufsehen gesorgt.

Linksnationalist Theodorakis, der in den Sechziger Jahren mit der Filmmusik zu "Sorbas" und seinem öffentlichen Widerstand gegen die griechische Militärdiktatur international bekannt wurde hatte am 4. November bei einer Pressekonferenz aus Anlass einer Buchvorstellung geäußert: "Wir sind zwei Staaten ohne Brüder in der Welt, wir und die Juden, aber sie haben Fanatismus und Kraft. Heute können wir sagen, dass dieser kleine Staat die Wurzel des Bösen ist, nicht des Guten, was heißt, dass zu viel Selbstherrlichkeit und zu viel Starrsinn böse sind." Laut einem Bericht der griechischen Tageszeitung "Apogevmatini" sagte Theodorakis weiter, wegen ihrer reichen Geschichte seien die Griechen - anders als die Juden - nicht aggressiv geworden. "Sie hatten nur Abraham und Jakob, Schatten. Wir hatten den großen Perikles hier." An der Buchpräsentation nahmen mehrere ranghohe Vertreter der griechischen Regierung teil, darunter Kultusminister Evangelos Venizelos und Bildungsminister Petros Efthimiou.

Der Zentralrat der Juden Griechenlands (KIS) verurteilte am Donnerstagmorgen Theodorakis' Äußerung: "Seine Aussagen bringen uns in andere Zeiten zurück." Israels Botschaft hat bei der griechischen Regierung Beschwerde eingelegt. Der Zentralausschuss jüdischer Gemeinden in Griechenland erklärte, die Aussagen von Theodorakis erinnerten an "die Ideen des dunklen Mittelalters und an die von Nazi-Deutschland gebrauchten Parolen". Das israelische Außenministerium verurteilte Theodorakis' Äußerungen als antisemitisch und drückte Bedauern aus, "dass solche Bemerkungen von einer Person seines Ranges gemacht wurden".

Auch der griechische Presseminister Christos Protopapas distanzierte sich von Theodorakis: "Die Regierung teilt diese Meinung nicht und ist mit dieser Aussage nicht einverstanden", sagte der Presseminister.

Der Komponist nahm anschließend seine Aussage zurück: "Ich stand immer an der Seite der Schwachen. Das habe ich auch in Zeiten getan, als das israelische Volk Hilfe brauchte. Meine Aussagen betrafen die Rolle des (israelischen) Ministerpräsidenten Scharon und der Juden in den USA und ihre Rolle in der Aggressionspolitik des amerikanischen Präsidenten Bush. Diese Phänomene sind die Wurzel des Bösen", erklärte Theodorakis schriftlich.

Theodorakis machte bereits in der Vergangenheit mehrfach mit drastischen Aussagen Schlagzeilen, zumeist mit Kritik an den USA. Nach Beginn des Irak-Kriegs hatte er Amerikaner als "ekelhafte, grausame und feige Mörder" beschrieben. (APA/dpa/AP)