Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hat am Donnerstag im Nationalrat die Lehrer-Frühpensionierungen verteidigt. "Ich glaube es ist wichtig, dass man jedem Menschen seine individuelle Entscheidung, ob er in Pension geht oder nicht, selber überlässt. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten", betonte Gehrer in der Fragestunde des Nationalrates. Es gebe keinen Grund, einem Menschen vorzuschreiben, länger zu bleiben, wenn er auf Basis der geltenden Gesetze anders entschieden habe.

Gut für Junglehrer und Schulklima

Gleichzeitig lehnte Gehrer die Forderung des Grünen Bildungssprechers Dieter Brosz ab, Lehrern das Weiterarbeiten bis zum Ende des Schuljahres zu ermöglichen, um nicht mitten im Schuljahr aus dem Dienst scheiden zu müssen. "Es ist in dieser Republik selbstverständlich jedem möglich, weiter zu arbeiten. Wenn sich aber jemand entscheidet, in Pension zu gehen, dann hat er die Verantwortung für seine Entscheidung selber zu übernehmen", betonte Gehrer. Früher habe man gefragt, was das Ministerium tue, um die Wartelisten junger Lehrer abzubauen. "Sie werden jetzt abgebaut", so Gehrer. Und das sei gut für Junglehrer und Schulklima.

"Bis auf null heruntergestaffelt"

In Sachen Nachmittagsbetreuung an Schulen sprach sich Gehrer einmal mehr gegen einen "zentralen Ausbauplan" aus und versprach 20 Prozent mehr Betreuungsplätze bis 2006. Dass dies angesichts der derzeitigen Nachmittagsbetreuungsquote von drei Prozent nur ein Plus von 0,6 Prozentpunkten bedeuten würde, wies Gehrer zurück. In diese Zahl seien etwa Angebote von Privaten und Gemeinden nicht eingerechnet. Zudem sprach sich Gehrer dafür aus, dass die Kosten der Nachmittagsbetreuung für sozial Schwache "bis auf null heruntergestaffelt werden können".

Dass berufsbildende höhere und mittlere Schulen, wie von SP-Bildungssprecher Erwin Niederwieser vorgeworfen, zahlreiche Schüler aus Platzmangel abweisen müssen, wies Gehrer zurück. Zwar sei heuer wie in jedem Jahr nicht jeder Schüler in seine Wunschschule gekommen, aber im Endeffekt habe jeder Schüler, der dies wollte, einen Platz in einer berufsbildenden Schule erhalten. Und: "Es gibt manchmal Wünsche, die nicht erfüllt werden können, auch weil die Schüler nicht geeignet sind", so Gehrer. Derzeit seien aber 1.560 Plätze an berufsbildenden Schulen in Vorbereitung.

Dass, wie von SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal behauptet, "katastrophale Zustände" an den Universitäten herrschen, verneinte Gehrer. Im kommenden Jahr werde es sechs Prozent mehr Budget für die Unis sowie zusätzliche Mittel für Vorziehprofessuren und technische Ausstattung geben. Heuer habe es 45 neue Professuren an 13 Universitäten gegeben, 2004 werden es laut Gehrer ebenso viele sein. (APA)