Frau Alice schreibt: Beim Warten auf den Zahnarzt habe ich in einer Illustrierten von einer Umfrage gelesen, wonach 58 Prozent der deutschen Frauen glauben, dass ihr Partner eine neue Haarfarbe an ihnen erkennen würde. Ich halte das für maßlos übertrieben. Wie, Frau Reiter, schätzen Sie diesbezüglich die Österreicher ein?

Liebe Frau Alice, da fällt mir meine Freundin Eva ein, die vor einigen Jahren von Schwarz auf Weißblond umgestiegen war. An jenem Tag betrat sie das Geschäftslokal ihres Ehemanns und wurde von diesem mit den Worten begrüßt: "Guten Tag, gnädige Frau, was kann ich für Sie tun?" Sie hat einige Monate später die Scheidung eingereicht, aber nicht deswegen.

Generell glaube ich schon, dass der Österreicher eine neue Haarfarbe seiner Partnerin erkennen würde, aber die Farbe müsste auch wirklich neu für Haare sein, wie zum Beispiel Türkis oder Anthrazitgrau oder Flaschengrün. Ein Problem bei etwas gesättigteren Beziehungen könnte darin bestehen, dass der Mann die neue Haarfarbe der Frau zwar in dem Moment erkennen würde, in dem er die Frau ansieht, aber das könnte dann eben schon ein, zwei Wochen dauern.

Überdies halte ich es für unerheblich, ob die Männer neue Frisurfarben ihrer Frauen erkennen. Mode ist ja nicht etwas, das unbedingt nach der Beteiligung von Männern schreit. Wenn Frauen täglich neue Schuhe kaufen, dann wohl eher deshalb, um anderen Frauen, die täglich neue Handtaschen kaufen, Paroli bieten zu können, aber sicher nicht, um irgendeinen Mann damit zu beeindrucken. Was neue Frisuren betrifft, halte ich es für angemessen, dass Frauen ihren Partnern sofort sagen, was Sache ist. Also gleich: "Schau, meine neue Haarfarbe. Gefällt sie dir?" Die Antwort muss nicht abgewartet werden. Freundlichst, Linda Reiter (Der Standard/rondo/14/11/2003)