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Ein Held in der Türkei: Christoph Daum.

Foto: Reuters/Saribas
Düsseldorf - Für den frühere Austria-Trainer Christoph Daum zählt das deutsche Fußball-Nationalteam nicht zur Weltspitze. "Ich gehe davon aus, dass wir bei der EM im nächsten Jahr und bei der WM 2006 keine überragende Rolle spielen werden", erklärte er in einem Interview mit dem Kölner "Express". Erst 2010 könne Deutschland wieder im "Konzert der Großen" mitspielen. "Aber auch nur dann, wenn wir im Nachwuchs neue Wege gehen", sagte Daum, der im Jahr 2000 wegen einer Kokain-Affäre das DFB-Teamchefamt nicht hatte übernehmen dürfen.

Das Konzept des DFB mit den landesweiten Fußball-Stützpunkten hält er für den falschen Weg. "Da werden Millionen aus dem Fenster geworfen. Mit diesem Gießkannenprinzip, hier mal ein Tröpfchen, da mal ein Tröpfchen, erreichst du doch nichts", so Daum. Der Chefcoach des türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul fordert daher radikale Veränderungen in der Nachwuchsarbeit: "Ich weiß, dass dieser Begriff in Deutschland kritisch gesehen wird. Aber ich sage es trotzdem. Es müssen Eliteschulen für Fußballtalente her."

DFB-Akteure mit Unverständnis

DFB-Akteure haben mit Unverständnis auf die Kritik reagiert. "Ich schätze ihn als Trainer, aber ich weiß nicht, ob er zu diesem Thema richtig informiert ist. Ich glaube nicht, dass wir uns in den nächsten Turnieren verstecken müssen", sagte Teamstürmer Fredi Bobic. Eine ähnliche Ansicht vertrat Teamchef Rudi Völler. "Wir werden am Samstag trotzdem ein Länderspiel haben. Ich hoffe, dass wir ihn eines Besseren belehren können."

"Ich weiß nicht, was er damit bewirken will", entgegnete Völler, wollte aber die Aussagen Daums "nicht auf die Goldwaage legen". Völler hat für die EM 2004 ein gutes Gefühl, dass sich vor allem die jungen Leute gut präsentieren. "Noch optimistischer bin ich für 2006", so der Teamchef.(APA)