Microsoft-Chef Steve Ballmer

Der US-Software-Konzern Microsoft ist im Kartellstreit mit Europäischen Union (EU) am Donnerstag in Verteidigungsposition gegangen.

Sub-Standard Windows für die EU

Aus informierten Kreisen verlautete am Rande der laufenden dreitägigen Anhörung in Brüssel, sollte Microsoft im Kartellstreit wirklich von der EU-Kommission gezwungen werden, sein Betriebssystem umzuschreiben, dann würde der Redmond (Bundesstaat Washington) ansässige Software-Hersteller den EU-Konsumenten eine Sub-Standard-Version ihres Windows-Betriebssystems verpassen müssen.

Marktbeherrschende Stellung

Hintergrund des Streits mit der EU ist der bereits aus dem Kartellverfahren in den USA bekannte Vorwurf, Microsoft nutze auch in Europa seine marktbeherrschende Stellung, um andere Software-Anbieter aus dem Internet-Geschäft zu verdrängen. Besonders im Fokus stehen dabei Microsofts Internet-Browser sowie der Media-Player zum Abspielen von Videos und Musikstücken aus dem Internet sowie Microsofts integrierte Netzwerk-Software.

Frei

Die EU-Kommission und ihr Wettbewerbs-Kommissar Mario Monti vertreten den Standpunkt, alle Computer-Hersteller sollten frei entscheiden können, welche Software sie für die genannten Zwecke installieren. Außerdem müsse die zum Aufbau von Netzwerken notwendige Software unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem problemlos funktionieren. Man habe Microsoft jedoch im Verdacht, seine Betriebssysteme so konzipiert zu haben, dass eben nur die eigene Netzwerk-Software diesen Anspruch voll erfüllt. Als Konkurrenten auf diesem Sektor gelten unter anderem Novell; im Server-Geschäft konkurriert unter anderem das Unternehmen Sun Microsystems mit Microsoft.

Als Alternative zum Media-Player ist der RealPlayer von RealNetworks im Geschäft. Ebenfalls in Konkurrenz zu Microsoft-Produkten stehen Netzwerk- und Internet-Software des US-Computer- und Softwareherstellers Apple.

Die Vielseitigkeit der Produkte

Microsoft hat die Vorwürfe der Europäer wie bereits im Verfahren in den USA wiederholt zurückgewiesen. Seine starke Marktposition verdanke das Unternehmen der Vielseitigkeit seiner Produkte - im Unterschied zu den Konkurrenten, betonte Microsoft.

Vergleich nach US-Vorbild

Beobachter schließen nicht aus, dass es auch im Kartellstreit in Brüssel zu einem Vergleich kommt wie mit dem US-Justizministerium 2001. Darin hatte sich der Konzern unter anderem dazu verpflichtet, seine Marktposition nicht zum Nachteil anderer Anbieter zu missbrauchen. (Reuters)