Wien - Ein Geiselnehmer jener Sahara-Touristen, die in Algerien im Frühjahr zwei Monate lang gefangen gehalten worden waren, hat sich Salzburger Medienberichten am Freitag zufolge mit einem freundlichen Anruf bei einem seiner damaligen Entführungsopfer in Salzburg gemeldet. Der Mann habe sich in dem 20 Minuten dauernden Gespräch erkundigt, wie es den acht Salzburgern und zwei Tirolern gehe und "entschuldigte sich für den Terrorakt gegen Unbeteiligte", berichtete Ingo Bleckmann (60), der zusammen mit seinem Sohn in Gefangenschaft geraten war.

Persönliche Beziehung aufgebaut

Um 6.00 Uhr schrillte vorige Woche das Telefon von Ingo Bleckmann. Am Apparat war der Chef jener Geiselnehmer, die im Frühjahr zehn Österreicher und sechs Deutsche entführt hatten.

Ingo Bleckmann, der sich mit den Entführern in französischer Sprache verständigen konnte, hatte während der Geiselnahme nach eigenen Angaben "eine sehr gute persönliche Beziehung" mit den Terroristen aufbauen können. "Deshalb hat es mich auch wirklich gefreut, dass er angerufen hat", so Bleckmann gegenüber dem ORF-Landesstudio Salzburg. In dem Gespräch habe der Mann erkennen lassen, dass die damalige Geiselnahme etwas sei, "was nicht für gut befunden werden kann". Ihm sei es klar, dass es ein Terrorakt gegen Unbeteiligte war, zitierte Bleckmann die Worte des ehemaligen Entführers.

Zwei Tote unter den Kidnappern

Der Algerier erzählte von den Opfern unter den Kidnappern: Bei dem Schusswechsel durch das algerische Militär seien zwei seiner Leute gestorben, und nicht - wie von den Österreichern angenommen - neun Geiselnehmer. Nach Ansicht der Geiseln hätten sich deren Entführer bei dem Angriff bewusst von ihnen entfernt, um sie nicht in Lebensgefahr zu bringen.

Eine Touristin starb Im Mai waren die Touristen vom algerischen Militär befreit worden, während eine zweite Gruppe von europäischen Touristen bis Mitte August auf ihre Freilassung warten musste. Eine Frau aus Deutschland war während der Gefangenschaft ums Leben gekommen. Die Entführer, die sich als islamischen Glaubenskämpfer bezeichneten, werden der radikalen Salafisten-Organisation für Gebet und Kampf (GSPC) zugeordnet. Sie sollen mit der El Kaida-Organisation des Extremisten Osama bin Laden in Verbindung stehen. (APA)