Wien - Der Zugverkehr in Österreich rollt nach dem Ende des knapp dreitägigen ÖBB-Streiks wieder an. Um 18:26 Uhr verließ der erste Zug den Retzer Bahnhof Richtung Wien. Gegen 20:00 Uhr waren bereits 100 Züge unterwegs, gegen 22:00 Uhr rund 250. Voll besetzt waren sie deswegen noch nicht, offenbar ist die Nachricht vom Ende des Streiks für manche zu spät gekommen, so ÖBB-Sprecher Gary Pippan. An den Bahnhöfen herrschte nach Streik-Ende reger Betrieb. Samstag Vormittag sollen alle Personenzüge wieder fahrplanmäßig unterwegs sein.

Güterverkehr ab Montag wieder planmäßig

Im Güterverkehr sei die Belieferung der Kunden wieder angelaufen, mit Wochenbeginn würden auch hier alle Züge planmäßig verkehren. Der durch den Streik entstandene Transportrückstau werde bereits im Laufe der nächsten Woche zur Gänze abgearbeitet sein, versichern die ÖBB. Die Verschubbahnhöfe seien über das Wochenende verstärkt besetzt.

Logistischer Großaufwand

Für die ÖBB bedeutet die Wiederaufnahme des Betriebs einen logistischen Großaufwand. Da der Streik eine Unterbrechung des Fahrplanes bedeutet, stehen Garnituren und dazugehöriges Personal großteils an völlig konträren Orten, so ÖBB-Sprecher Andreas Rinofner. Lokführer und Zugbegleiter für den Personenverkehr, sowie Triebwagen und Waggons müssen an die richtigen Bahnhöfe zusammengeführt werden: "Sie müssen davon ausgehen, dass alle diese Dinge bzw. Menschen an anderen Orten sind."

Wartezyklen neu geplant

Auch technisch ist die Wiederaufnahme des Fahrbetriebs eine Herausforderung für die Bahn. Schließlich hat der Streik die so genannten Umläufe gestört, in denen die Wege der Waggons - sie sind im nationalen Verkehr bis zu zwei Tagen unterwegs, bevor sie wieder in den Ausgangsbahnhof zurückkehren - festgeschrieben sind. Damit müssen auch die gesamte Wartungszyklen neu geplant werden.

Lokomotive brauche einige Zeit

Dazu komme, dass man eine Lokomotive nach mehreren Tagen Stillstand nicht sofort wieder in Betrieb nehmen kann, erklärte Rinofner. Die bis zu vierzig verschiedenen Triebwagentypen brauchen jeweils unterschiedliche Starthilfen, etwa bestimmte Betriebstemperaturen, die Zuführung von Schmierfetten oder von Druckluft. Nicht überall, wo die Wagen zu Streikbeginn abgestellt wurden, können diese Arbeiten durchgeführt werden.

Wochenkarten weiter gültig

Auch für Besitzer von Wochenkarten hatte die ÖBB eine gute Nachricht: Die Wochenkarten behalten auch für nächste Woche ihre Gültigkeit. Das gilt allerdings nur für Bahn und BahnBusse. Für Besitzer von Monats- und Jahreskarten suche man gemeinsam mit den Verbundpartnern noch noch einer Lösung.

Bahnkunden, deren Fahrkarten während des Streiks ihre Gültigkeit verloren haben, können das Ticket binnen zwei Tagen ab Streik-Ende benützen oder in der Zeit gegen Retournierung des Kaufpreises an den Fahrkartenschaltern zurückgeben. (APA)