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Ende August brach die Hölle los, als uns die Deutschen Mozart wegnehmen wollten. Dann erfreute uns eine TV-Moderatorin mit der tröstlichen Nachricht, dass man uns dafür den Hitler gerne lassen möchte: Klar, wir reden wieder einmal von den "wichtigsten Deutschen", die Johannes B. Kerner derzeit im ZDF zu ermitteln sucht, beziehungsweise werden da Abstimmungsbewegungen der Zuschauer derart erregt kommentiert, dass man meinen möchte, hier ginge es wirklich um die Krönung des Jahrhunderts - wenn nur ebendieses Jahrhundert nicht noch so verdammt jung wäre ... Es führt derzeit Albert Einstein, gefolgt von den Geschwistern Scholl und Goethe. Auf den hinteren Rängen geht es derweilen superheiß her. Zuletzt durften wir live mitverfolgen, wie Karl Marx binnen fünf Minuten von Platz 7 auf Platz 9 abgedrängt wurde. Jetzt ist guter Rat teuer! Aufsteigende Tendenz hingegen immer wieder bei Martin Luther. Das freut, und ein Hochrechnungsexperte im Studio vermittelt dann auch immer gleich den Eindruck: Wow, gewaltige Stimmenbewegungen. Wir vermuten Wechselwähler, die zuerst protestantisch und dann wieder kommunistisch voten ... Kurz, wenn es in ein paar Jahren einmal eine Abstimmung über die dümmsten Abstimmungen des Jahrtausends (das auch sehr jung ist) gibt, ist hier ein absoluter Favorit. Trotzdem: Der ORF, der uns zuletzt ja einen "Persönlichkeitstest" verpasste, sollte einmal über "Die wichtigsten Österreicher" nachdenken. Und dann reißen wir uns Beethoven unter den Nagel. (cp/DER STANDARD; Printausgabe, 15.716.11.2003)