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Der "Uhrturmschatten", das Double des Grazer Wahrzeichens, dient als Klangkörper für "Schlagschatten".

Foto: APA/Barbara Gindl
Graz - Dem Advent will Intendant Wolfgang Lorenz nicht in die Quere kommen: Das Kulturstadtjahr endet offiziell am 30. November. Ohne großes Fest, weil das Geld dafür fehlt. Sang- und klanglos klingt Graz 2003 dennoch nicht aus: Am Abend des 29. November wird die Mur in ein Lichtermeer verwandelt, zudem gelangt die Komposition Schlagschatten von Christian Schiller zur Uraufführung. Der Titel ist wörtlich zu verstehen: Der Uhrturmschatten , das Double des Wahrzeichens, dient als Klangkörper, der, so Vizeintendant Eberhard Schrempf, "perkussiv bespielt" wird. Hörbar in der ganzen Innenstadt, wo noch einmal groß Party gefeiert werden soll.

Markus Wilflings Installation muss bis 31. Jänner 2004 abgebaut sein. Zwar gibt es immer wieder Stimmen, die einen Verbleib des Uhrturmschattens am Schlossberg fordern (und auch vom Graz-2003-Team moralisch unterstützt werden), doch die Zeit wird knapp: Das Shoppingcenter Seiersberg ist berechtigt, das Alu-Objekt ab Anfang Dezember abzubauen, um es auf seinem Gelände wieder aufzustellen. Wo es allerdings jeden Witz verloren hätte: Der Uhrturmschatten funktioniert eben nur mit dem Bauwerk, das den Schatten wirft.

Auch die meisten anderen Installationen haben ein nahendes Ablaufdatum: Die Demontage von Alexander Kadas Gespiegelter Stadt beginnt am 17. November; ab 1. Dezember muss der Freiheits- wieder als Parkplatz zur Verfügung stehen. Die Objekte an den Autobahnen, darunter die winkenden Hände (die nie wirklich winkten), werden bis Mitte Februar abgebaut; die Neoninstallation Love samt Eichhörnchen soll in der Folge versteigert werden. Die Betonskulpturen zu beiden Seiten der Mur dürfen bis April 2004 stehen bleiben; was danach mit ihnen passiert, ist unklar.

Und der Marienlift von Richard Kriesche hat Ende Jänner den Betrieb einzustellen - falls sich die Stadtväter nicht dazu durchringen, ihn stehen zu lassen. Anfangs war er zwar heftig kritisiert worden (Blasphemie), aber längst ist er voll akzeptiert: Das Echo auf den von Kriesche initiierten Fotowettbewerb war derart groß, dass es nun im Palais Thienfeld eine Ausstellung gibt (Eröffnung und Preisverleihung am 19. November um 19 Uhr).

Äußerst groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die knallige Austapezierung der Bahnhofshalle das Kulturhauptstadtjahr überdauert: Die ÖBB erkannte den Wert von Peter Koglers Intervention und verhandelt derzeit mit Graz 2003 über einen Ankauf. Recht sicher ist zudem der Verbleib des unförmigen Blobs von Vito Acconci namens Murinsel: Um eine Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung wurde angesucht.

Nachhaltig das Stadtbild prägen wird auch das Kunsthaus. Es wurde auf Druck von Lorenz errichtet; mit dem Ergebnis ist der Intendant aber nicht zufrieden. Zu viele Köche hätten den Brei verdorben, sagt der ORF-Mann, der gern ein Machtwort spricht. Nicht nur ihn schmerzen die Neonlichtkreise, unter denen die gezeigte Kunst darbt.

Bis 18. Jänner läuft die von Peter Pakesch kuratierte Ausstellung Einbildung. Und die Camera Austria, ebenfalls im Kunsthaus untergebracht, zeigt bis 6. Februar die Algerien-Fotos von Pierre Bordieu.

Am 17., 20. und 21. November ist im Café Stockwerk "Jazz made in England" zu hören, am 20. November wird im Forum Stadtpark die Gruppenschau Takeoff 2 eröffnet, am 21. November gelangt in der List-Halle die Dry Clean Show von Lisa D. zur Uraufführung, am 23. November gastiert die deutsche Band Blumfeld im p.p.c., und am 28. November spielen die Wiener Philharmoniker das von Graz 2003 in Auftrag gegebene Violinkonzert von Beat Furrer (als Abschluss der Reihe "Ikonen des 20. Jahrhunderts). Es gibt also noch genügend Programm im Kulturstadtjahr. (DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.11.2003)