Wien - Geht es nach den oberösterreichischen Sozialdemokraten, hat die im September mit viel Politgetöse über die Bühne gegangene Voest-Teilprivatisierung ein Nachspiel. Erich Haider, Landeshauptmannstellvertreter und SP-Chef in Oberösterreich, unternimmt einen zweiten Anlauf in Richtung "Verländerung" des Stahlkolosses.

Haider sagte zum STANDARD: "Wir arbeiten intensiv an einem Modell, um 15 Prozent der Voest über landeseigene Gesellschaften und Beteiligungen zu erwerben." Es gehe dabei um eine "Wirtschaftskonstruktion zur Standortabsicherung" und "überhaupt nicht um einen operativen Einfluss der Politik", so Haider.

Konkrete Verkaufsangebote

Seitens derzeitiger Voest-Aktionäre und einiger Banken seien bereits konkrete Verkaufsangebote an ihn herangetragen worden. Aktuell käme man theoretisch auf mehr als fünf Prozent. Benötigt würden jedoch 15 Prozent, um zusammen mit der Mitarbeiterstiftung, die seit dem Privatisierungsschritt 10,3 Prozent an der Voest hält, einen "oberösterreichischen Kernaktionär" bilden zu können.

Nach Haiders Darstellung halte die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich nun 15 bis 16 Prozent am Linzer Paradebetrieb. Der SP-Mann sagte: "In guten Zeiten werden so und so alle an einem Strang ziehen. Aber in schlechten Zeiten werden die Raika und die Mitarbeiterstiftung bestimmt unterschiedliche Interessen haben. Deshalb brauchen wir den oberösterreichischen Kernaktionär zur Standortabsicherung."

Er sei "sehr optimistisch", dass es gelinge, 15 Prozent der Voest-Aktien in einem "ersten Schritt" durch die Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG) des Landes zu erwerben und später ein "endgültiges Beteiligungsmodell" zu finden, über das er jetzt noch keine Details bekannt geben wolle. Diesbezügliche Überlegungen würde in Bälde als Antrag in der Landesregierung eingebracht werden.

Selbstbedienung

Beim Voest-Vorstand stoßen solche Überlegungen auf heftigen Widerstand. Bei der Pressekonferenz zum Voest-Halbjahresergebnis am Donnerstag hatte der designierte Voest-Vorstandschef Wolfgang Eder gesagt: "Wir sind kein öffentlicher Selbstbedienungsladen. Auch die Politik wird die Unabhängigkeit des Konzerns anerkennen müssen." Nach dem Verkauf der ÖIAG-Anteile befänden sich nun knapp unter 50 Prozent in "stabilen" inländischen Händen, so Eder, was von Beginn an der "Wunschstruktur" des Managements entsprochen habe. "Wir werden uns diesen Sieg nicht nehmen lassen."

Doch auch in der Steiermark sind die Pläne, Einfluss auf die Voest-Bahndivision in Donawitz zu bekommen, noch lange nicht ad acta gelegt worden. Finanzlandesrat Herbert Paierl bestätigte, dass steirische Industrielle weiterhin großes Interesse an einer Beteiligung hätten. Hierbei gehe es aber nicht um eine Verländerung, so Paierl, sondern um die Stärkung der Headquarter-Funktion in der Steiermark. "Wir haben auf unsere Standortinteressen zu achten."

Die Voest-Aktie hat seit der Privatisierung gelitten. Anfang September kostete eine Aktie 36 Euro, mittlerweile nur noch 31,80 Euro - ein Minus von 11,6 Prozent. (DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2003, Michael Bachner)