Microsoft -Gründer Bill Gates hat für 52 Mio. Dollar (45 Mio. Euro) fast zwei Millionen Aktien des Softwareunternehmens verkauft und sich damit einen Schritt auf die Wettbewerbshüter der Europäischen Union zubewegt. Nach der Transaktion befinden sich in Gates Besitz noch etwa 1,2 Mrd. Microsoft-Aktien. Ferner verfügt er über 428.520 Aktien, die sich im Besitz seiner Frau befinden. Pro Stück lukrierte er 26,021 Dollar.

Substandardversion

Trotzdem werden dem weltgrößten Softwarekonzern in der Kartellrechtssache mit der EU weniger Chancen auf einen Vergleich zugebilligt als in den Anti-Trust-Gerichtsfällen in den USA. Sollte Microsoft im EU-Kartellstreit - eine Entscheidung wird erst bis Juni 2004 erwartet - von der EU-Kommission gezwungen werden, sein Betriebssystem umzuschreiben, dann würde der in Redmond/Washington ansässige Softwarehersteller den EU-Konsumenten eine Substandardversion ihres Windows-Betriebssystems verpassen müssen, hieß es am Rande der Anhörung in Brüssel (Der Webstandard berichtete).

Verdacht

Die EU-Kommission und ihr Wettbewerbskommissar Mario Monti vertreten den Standpunkt, alle Computerhersteller sollten frei entscheiden können, welche Software sie installieren. Außerdem müsse die zum Aufbau von Netzwerken notwendige Software unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem problemlos funktionieren. Man habe Microsoft jedoch im Verdacht, seine Betriebssysteme so konzipiert zu haben, dass eben nur die eigene Netzwerksoftware diesen Anspruch voll erfüllt. Außerdem vermutet die Kommission, dass die Einbindung des Microsoft-Mediaplayers in das Betriebssystem Windows die Produkte anderer Anbieter wie den RealPlayer von RealNetworks benachteilige.

Vielseitigkeit der Produkte

Microsoft hat die Vorwürfe der Europäer wie bereits im Verfahren in den USA wiederholt zurückgewiesen. Seine starke Marktposition verdanke das Unternehmen der Vielseitigkeit seiner Produkte - im Unterschied zu den Konkurrenten (siehe auch Interview).

Ein Wettbewerbsstreit um Microsoft in den USA war vor einem Jahr mit einem Kompromiss beigelegt worden. Im Streit mit Brüssel wird das Zustandekommen eines Vergleichs von Beobachtern bezweifelt. (Der Standard Printausgabe, 15./16.11.03, Reuters, vwd)