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Keinen "großen Bahnhof" will Robin Cook dem US-Präsidenten bei seinem Besuch bieten: Bleibt der rote Teppich eingerollt?

Foto: APA/EPA/Barbara Walton
Lawrence Summers schaut pikiert drein. Lange hat der frühere US-Finanzminister geredet, wortreich begründet, warum Amerika und Europa einander auch im 21. Jahrhundert brauchen. Und dann steht ein älterer Herr im Saal auf: "Warum, Mister Summers, sollen die Europäern den USA noch glauben, nach all den Lügen des Irakkriegs?"

Amerikaner haben es derzeit schwer in London, zumindest wenn sie Politiker sind. George W. Bush wird es demnächst am eigenen Leib spüren. Er fliegt am Dienstag an Bord der Air Force One ein. Es ist der erste Staatsbesuch für einen US-Präsidenten seit 1918, als Woodrow Wilson empfangen wurde. Bärenfellmützen, Schlafen im Buckingham-Palast, Königskutsche - das sind Staatsbesuche, zu denen die Queen einlädt, und nicht der Premier.

Doch diesmal steckt der Teufel in jedem Detail. Ob Bush in die Kutsche steigt, ist nicht sicher. Seinen Bodyguards ist es zu riskant, sie raten zu gepanzertem Auto. Als sie darauf drängten, die Parks um den Buckingham Palace zur Bannmeile zu erklären, aus Angst vor Demonstranten, winkten die Briten verärgert ab. So etwas lasse sich kein Londoner bieten, die Versammlungsfreiheit sei ein hohes Gut. Auch die Queen lehnte Bushs Wunsch nach bomben- und kugelsicheren Scheiben im Buckingham Palace ab.

Die "Stop the War Coalition" gegen den Irakkrieg will ihrem Lieblingsfeind, dem "toxischen Texaner", einen heißen Empfang bereiten. Auf dem Trafalgar Square wird sie eine Bush-Statue bauen, und die soll so in den Staub fallen wie der Bronze-Saddam auf dem Bagdader Paradiesplatz. Auch Exaußenminister Robin Cook ist gegen den großen Bahnhof, der dem Republikaner die "Mutter aller Fotokulissen" liefere. Das laufe auf Wahlkampfhilfe hinaus. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2003)