Frankfurt/Main - Bei Europas zweitgrößtem Touristikkonzern Thomas Cook steht nach den Worten von Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber kein grundlegender Strategiewechsel bevor.

Nach dem Rücktritt des alten Managements sei der Weg frei für einen Neuanfang beim Reisekonzern, sagte Mayrhuber der "Welt am Sonntag". Lufthansa und KarstadtQuelle sind die beiden Anteilseigner an Thomas Cook.

"Probleme sind bekannt"

"Da die Ursachen für die Probleme bekannt sind, sind auch die Lösungen bekannt. Diejenigen allerdings, die glauben, jetzt wird bei Thomas Cook alles wieder zurückgedreht auf den Urzustand, die irren", sagte Mayrhuber. Von einem "kompletten Strategiewechsel" sei nicht auszugehen.

Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler und Finanzvorstand Norbert Kickum hatten vor zehn Tagen wegen der finanziellen Probleme gehen müssen. Die Beteiligung am schwächelnden Touristikkonzern bescherte der Lufthansa 2003 bisher einen anteiligen Verlust von 131 Millionen Euro.

Kündigungen nur Ultima Ratio

Betriebsbedingte Kündigungen wollte Mayrhuber nicht ausschließen: "Sie dürfen nur die Ultima Ratio, das allerletzte Mittel, sein." Generell müssten die Arbeitskosten gesenkt und die Produktivität erhöht werden.

"Das kann auch heißen: mehr Arbeit fürs gleiche Geld." Nur profitable Arbeitsplätze seien sichere Arbeitsplätze. Einen Verkauf von Thomas Cook schloss Mayrhuber kategorisch aus.

Keine Zerschlagung

Unterdessen wies ein Lufthansa-Sprecher einen Bericht des "Spiegel" über eine angeblich geplante Zerschlagung des Touristikkonzerns Thomas Cook zurück.

Der Bericht sei reine Spekulation und entbehre jeglicher Grundlage, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Sonntag. Laut "Spiegel" wollten die Anteilseigner Lufthansa und KarstadtQuelle das Flug- und Veranstaltergeschäft des Reisekonzerns voneinander trennen.

Niemals nie sagen

Zu einer möglichen Fusion der Lufthansa mit einer anderen Fluggesellschaft sagte Mayrhuber: "Man soll nie nie sagen. Wenn man nur über solche Investitionen einen Mehrwert für Kunden schafft, dann gilt es, neu zu überlegen".

Wenn die derzeit noch gültigen Kapitalverflechtungsbeschränkungen wegfielen, dann könne man auch Investitionen bei anderen Fluggesellschaften ins Kalkül ziehen. "Es muss strategisch und wirtschaftlich Sinn machen. Die Zeiten sind vorbei, in denen man sagt: Wir brauchen unsere nationale Airline."

Air France und die niederländische KLM hatten Ende September angekündigt, sich zur größten Fluggesellschaft Europas zusammenzuschließen. Beide vereinbarten zudem mit der italienischen Alitalia eine engere Zusammenarbeit. (APA/dpa)