Padgorica - Der montenegrinische Ministerpräsident Milo Djukanovic hat am Freitag darauf gedrängt, den Menschenhandel-Skandal in Montenegro vollständig aufzuklären. Die Affäre um Frauenhandel in Montenegro war im vergangenen November aufgeflogen, nachdem einer moldawischen Frau die Flucht in ein sicheres Frauenhaus in Podgorica gelungen war. Das Opfer des Menschenhandels, das drei Jahre lang zur Prostitution gezwungen worden war, erhob schwere Vorwürfe, unter anderem auch gegen den stellvertretenden Republikstaatsanwalt. "Es ist in niemandes Interesse, am wenigsten in jenem der Regierung, irgend etwas zu verschweigen oder zu verbergen", erklärte Djukanovic.

Aufsehen "völlig unverhältnismäßig"

"Unser Interesse war und ist es, diesen Fall voll aufzuklären. Nicht nur, weil der Fall bereits zu viel Aufsehen erregt hat - völlig unverhältnismäßig im Hinblick auf die Tatsache, dass es nur ein individueller Fall von Menschenhandel war, wenn es ein solcher überhaupt gewesen ist - aber um ähnlichen Ereignissen vorzubeugen", sagte Djukanovic vor JournalistInnen. Er ergänzte, dass die montenegrinische Regierung die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und den Europarat deswegen um Hilfe gebeten hätte.

Parlamentarische Untersuchung abgelehnt

Die frühere österreichische Frauenministerin Helga Konrad, die im Rahmen des Südosteuropa-Stabilitätspaktes mit der Bekämpfung des Menschenhandels beauftragt ist, hatte im Oktober eine parlamentarische Untersuchung der Affäre empfohlen. Das Parlament in Podgorica hat dies jedoch abgelehnt. (APA)