Wien/London - Recht oft haben Patienten mit einer Herzmuskelentzündung (Dilatative Kardiomyopathie - der häufigsten Ursache tödlichen Herzversagens bei jungen Menschen) auch eine Infektionskrankheit. Dieser Zusammenhang ist schon lange bekannt, bisher jedoch haben Forscher vergebens nach den Ursachen gesucht. Bisher.

Forscher des von Josef Penninger geleiteten Wiener Instituts für Molekulare Biotechnologie haben das Rätsel nun gelöst, schreibt Nature Medicine, wenigstens bei Mäusen: Hinter dem Herzversagen stecke eine Autoimmunreaktion, in deren Zentrum "Dendritische Zellen" stehen - die auch bei anderen Autoimmunerkrankungen (Diabetes Typ I, multiple Sklerose, Arthritis) eine Rolle spielten dürften.

Dendritische Zellen sind die "Wächter" des Immunsystems: Sobald sie Fremdkörper (Viren oder Bakterien) entdecken, nehmen sie diese quasi auf ihre Schultern und geben speziellen Antikörpern (Lymphozyten) dadurch das Signal, die Eindringlinge zu bekämpfen. Ausgelöst durch genetische und Umweltfaktoren kommt es mitunter vor, dass sie, stimuliert von Infektionen, "autoaggressiv" werden. Dendritische Zellen präsentieren dann nicht nur Viren und Bakterien, sondern auch körpereigene Substanzen als fremd, bringen das menschliche Immunsystem dazu, eigene Zellen anzugreifen - etwa jene des Herzmuskels. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 11. 2003)