Spin Boldak/Kabul - Die radikal-islamischen Taliban-Untergrundkämpfer in Afghanistan haben sich zu dem Überfall am Sonntag bekannt, bei dem eine französische Mitarbeiterin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erschossen wurde. Das UNHCR kündigte am Dienstag den Abzug von 30 Mitarbeitern aus Ost- und Süd-Afghanistan an.

Die Taliban drohten am Dienstag außerdem mit der Ermordung eines türkischen Bauingenieurs, sollte die afghanische Regierung ihre inhaftierten Gesinnungsgenossen nicht freilassen. Ein Taliban-Kommandant warnte, dass jeder, der US-Interessen in Afghanistan vertrete, Ziel von Anschlägen sein könne. Diese Drohung gelte auch für Journalisten und Mitarbeiter von internationalen Hilfsorganisationen.

"Ja, wir haben es getan"

Zu dem Anschlag auf die 29-jährige französische UNHCR-Mitarbeiterin sagte Taliban-Sprecher Mullah Abdul Samad: "Ja, wir haben es getan, unsere Kämpfer waren an der Tötung dieser Christen-Frau beteiligt. Wir haben bestätigte Informationen, das die meisten Ausländer, die in unserem Land arbeiten, amerikanische Agenten sind und keine Sympathie für Afghanistan haben." Ein anderer Taliban-Vertreter widersprach zwar den Aussagen von Samad. Er sagte, solche Anschläge würden von örtlichen Gruppen gemacht, um die Taliban zu verleumden. Regierungsvertreter in Kabul und UNO-Mitarbeiter machen indes eindeutig die Taliban für diese Art von Anschlägen auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen verantwortlich.

Zwei Festnahmen

Am Sonntag hatten in der Provinz Ghasni südwestlich von Kabul zwei Männer auf Motorrädern das Feuer auf das Fahrzeug der Französin Bettina Goislard eröffnet. Ihr afghanischer Fahrer war verletzt worden. Die Französin erlag auf dem Weg ins Krankenhaus ihren Verletzungen. Nach Angaben der Behörden konnten wenig später zwei Männer unter Tatverdacht festgenommen werden.

Die US-Armee teilte am Dienstag mit, bei Kampfhandlungen in der afghanischen Provinz Paktika im Osten des Landes seien am Wochenende fünf internationale Terroristen getötet worden. Die Armee trat damit Berichten entgegen, es seien Zivilisten von den Soldaten erschossen worden.

UNHCR zieht ab

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR teilte am Dienstag mit, 30 internationale Mitarbeiter des Hilfswerks würden als Reaktion auf den Überfall auf die UNHCR-Mitarbeiterin vorläufig aus dem Grenzgebiet abgezogen. Filippo Grandi, Chef der UNHCR-Vertretung in Kabul, sprach von einer bedauerlichen, aber notwendigten Entscheidung und kündigte an, die Maßnahme werde in zwei Wochen erneut überprüft.

Der Abzug der internationalen Helfer trifft vor allem die afghanischen Flüchtlinge, die auf Rückkehr aus Pakistan in ihre Heimat hoffen. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes hat das UNHCR bei der Repatriierung von rund 2,5 Millionen Afghanen geholfen, die im Iran und in Pakistan Schutz gesucht hatten. Der Rückzug der Helfer bedeutet auch eine massive Einschränkung der UNHCR-Aktivitäten in der Hauptstadt Kabul. (APA/Reuters)