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Foto: Reuters/Turk
Mailand - Kritik an den Äußerungen des Papstes zur Trennungsmauer zwischen Israel und dem Westjordanland hat der jüdische Schriftsteller, Nobelpreisträger und Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel geübt. "Von dem geistlichen Führer einer der größten und wichtigsten Religionen der Welt hätte ich mir etwas anderes erwartet", betonte er in einem Interview mit dem Mailänder "Corriere della Sera" vom Montag. Er hätte erwartet, dass der Papst Terror und Ermordung Unschuldiger verurteile, ohne sie mit politischen Überlegungen zu vermischen.

Außerdem hätte der Papst dem Charakter der Mauer zur Selbstverteidigung Rechnung tragen sollen, forderte Wiesel. Die Urheber der Anschläge von Istanbul hätten nicht wegen der Mauer gemordet, sondern aus Hass gegen die Juden.

Brücken

Johannes Paul II. hatte vor seinem Mittagsgebet am Sonntag die Terroranschläge im Irak und in der Türkei verurteilt. Zugleich hatte er den Stillstand im Nahost-Friedensprozess beklagt und sich kritisch zur Mauer im Heiligen Land geäußert. Diese werde, so der Papst, von vielen als ein neues Hindernis auf dem Weg zum friedlichen Zusammenleben gesehen. Das Heilige Land brauche nicht Mauern, sondern Brücken. Ohne eine Versöhnung der Menschen könne es keinen Frieden geben.

Der Bau der Mauer, die Israel derzeit zum Schutz gegen das Eindringen von Terroristen hochzieht, war in den vergangenen Monaten wiederholt von christlichen Führungspersönlichkeiten im Heiligen Land und weltweit kritisiert worden. Sie weisen u.a. darauf hin, dass der Mauerverlauf nicht der alten "grünen Grenze" folgt, sondern teilweise weit in Palästinenser-Gebiet hineinreicht und damit Ortsteile und Felder durchschneidet. (APA)