Rom - Italienische Wissenschaftler haben am Dienstag damit begonnen, die sterblichen Überreste des italienischen Renaissance-Dichters Petrarca freizulegen. Ziel der Wissenschaftler unter der Leitung des Anatomie-Professors Vito Terribile Wiel Marin von der Universität Padua ist es, das Aussehen des 1374 im Alter von 70 Jahren verstorbenen Poeten zu rekonstruieren.

"Zahlreiche Knochen sind noch intakt, aber sehr zerbrechlich", sagte Terribile bei der Freilegung des Sarges auf dem Friedhof von Arquà bei Padua. Der rechte Arm des berühmten Humanisten fehle, weil er 1630 gestohlen wurde. Petrarca wurde unter anderem durch seine Liebesgedichte an Laura, Sinnbild der idealen Frau, berühmt.

Ungewöhnlich groß

Neben der Rekonstruktion Petrarcas Aussehen wollen die Wissenschaftler versuchen, seinen bei einer ersten Ausgrabung 1873 zerstörten Schädel wiederherzustellen. Damals hatten die Forscher festgestellt, dass der Dichter 1,83 Meter und damit für seine Zeit ungewöhnlich groß war.

Petrarcas Leichnam hat bereits eine bewegte Geschichte: 1374 wurde er im Zentrum von Arquà beigesetzt und nur sechs Jahre später auf einen neuen Friedhof umgebettet. 1630 wurde sein Grabmal bei einem Sturm beschädigt. Ein venezianischer Priester nutzte damals die Gunst der Stunde und stahl Petrarcas rechten Arm. Dafür wurde der Geistliche in die lebenslange Verbannung geschickt.

Nach der Ausgrabung 1873 wurden Petrarcas sterbliche Überreste 1943 aus Angst vor feindlichen Bombardements in die Keller des Dogenpalastes in Venedig in Sicherheit gebracht. Seit 1946 ruhte Petrarca wieder auf dem Friedhof von Arquà. (APA/AFP)