Montag bin ich im Nachtleben ohne Absicht in eine Veranstaltung geraten, die dem in Fachkreisen einschlägig bekannten, kultisch verehrten US-Busenfilm-Regie-Altmeister Russ Meyer gewidmet war. Für Feinspitze: Meistens laufen seine Filme ("Faster Pussycat, Kill, Kill!" oder "Up!" oder "Die Satansweiber von Tittfield") etwas gekürzt im Nachtprogramm von RTL 2.

Dass ich mich in einer Veranstaltung zu Ehren von Silikon und Zelluloid befand, wurde mir insofern klar, als auf der Bühne des Musikclubs nicht die gewohnten verhärmten deutschen Soziologiestudenten namens Tomte, Kante oder Paula ihre missmutige Kunst zum Vortrag brachten, sondern dort oben das nicht so ganz pure Leben wogte.

Auf der Bühne saßen zwei Schauspielerinnen von Russ Meyer, die in der Tat die größten, man entschuldige die Wortwahl, Silikontitten besaßen, die jemals in der Wienerstadt zu Gast waren. Und sie plauderten über ihr bewegtes Leben. Eine hieß, glaube ich, Kitten Natividad oder so. Das war eher langweilig.

Dann begann ich im Publikum zu schauen, ob ich jemanden kenne. Dann begann ich mich zu fürchten. Ja, Männer dürfen allein stehend sein. Mit spätestens 40 aber sollten sie nicht mehr daheim bei Mama wohnen und eher fragwürdige Hobbys wie Autogramme-von-Busenstars-Sammeln haben. (schach/DER STANDARD, Printausgabe vom 19.11.2003)