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2800 Zivildiener transportieren für das Rote Kreuz Kranke und pflegen Ältere. Ohne Ersatz für sie komme man nicht aus, daher brauche es den Sozialdienst, sagt das Rote Kreuz.

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Ohne Wehrpflicht gibt es keine Zivildiener. Hilfsorganisationen plädieren für Ersatz: das Rote Kreuz für verpflichtenden Sozialdienst, die Caritas für Anreize für ein freiwilliges Sozialjahr.

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Wien - 2800 Zivildiener arbeiten derzeit für das Rote Kreuz. Transportieren Kranke, pflegen Alte - und sind aus der Organisation nicht mehr wegzudenken. Stehen doch Zivildienern nur 4800 hauptamtliche Mitarbeiter gegenüber.

Daher macht sich Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Roten Kreuzes, Sorgen, was Hilfsorganisationen tun könnten, wenn mit der diskutierten Abschaffung der Wehrpflicht auch Zivildiener wegfallen. Ohne Ersatz für die derzeit fast 10.000 Zivildiener werde es nicht gehen, meint Kopetzky: "Das wäre nicht finanzierbar." Koste doch ein hauptberuflicher Ersatz 13.000 Euro pro Jahr mehr, weil Zivildiener schlecht bezahlt sind.

Pflegenotstand

Kopetzky fordert daher im STANDARD-Gespräch: "Der Ersatz für Zivildiener ist eine Existenzfrage für die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems. Wenn Zivildiener wegfallen, wäre ein verpflichtender Sozialdienst für alle, für Männer und Frauen, ein Ersatz." Dieser Sozialdienst hätte für Kopetzky "mehrere Vorteile": "Der Sozialdienst würde das Grundwertesystem verändern. Zudem würde er andere Berufsbilder eröffnen und den Pflegenotstand mildern." Nicht zuletzt sei der "Dienst an der Gesellschaft" angesichts der Überalterung notwendig.

Dass es umstritten ist, den Sozialdienst auch für Frauen zu fordern, ist Kopetzky bewusst. Aber: "Vom Gleichheitsgrundsatz her kann man den Sozialdienst nicht nur für Männer einführen." Als Vergütung für den Sozialdienst stellt sich Kopetzky eine "ähnliche wie für den Zivildienst vor". Zivildiener verdienen 181,70 Euro pro Monat, davon zahlt einen Teil der Bund.

"Begeisterungsstürme" löst der Vorschlag bei Stefan Wallner-Ewald, Generalsekretär der Caritas, nicht aus. 450 Zivildiener arbeiten für die Caritas, auch Wallner-Ewald plädiert dafür, sich einen Ersatz für Zivildiener zu überlegen. Allerdings ist ihm "Grundmotivation Freiwilligkeit" wichtig, auch Zivildiener entschieden sich bewusst gegen den Dienst mit der Waffe.

Daher regt er Modelle an, die Motivation für ein freiwilliges soziales Jahr fördern: "Man kann Absolventen eines freiwilligen Sozialjahres zwei Jahre Studiengebühren erlassen oder sich kreativ viele andere Anreize überlegen." Denn prinzipiell hält es Wallner-Ewald für "sehr wichtig, dass Junge in Kontakt mit sozialen Problemen kommen, die außerhalb ihres gesellschaftlichen Radius liegen". Das könne ein Leben verändern, wie Wallner-Ewald aus eigener Erfahrung weiß: Auch er war Zivildiener bei der Caritas und ist dort "picken geblieben". (Eva Linsinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.11.2003)