Wien/Leobersdorf - Ab Herbst 2005 soll im niederösterreichischen Leobersdorf, eine halbe Autostunde südlich von Wien, nach Parndorf das zweite Factory-Outlet-Center auf heimischen Boden eröffnen.

Der Spatenstich soll im kommenden Frühjahr erfolgen. Vierzig Millionen Euro will eine Investorengruppe, vertreten durch Betreiber und Entwickler European Outlets AG mit Sitz in Wien, in das Projekt stecken.

Die Geschäftsführer, Michael Herscovici und Michael Griesmayr, versprechen 700 neue Arbeitsplätze in fünfzig bis sechzig Geschäften auf 11.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Das "Leoville Outlet" neben der A2-Abfahrt hat weiters den Anspruch, ein Premium-Center zu werden: "Kohlmarkt goes Leobersdorf", so Hercovici in Anspielung auf Wiens noble Einkaufsstraße, wo Marken wie Gucci und Louis Vuitton Läden betreiben.

Prada, Tod's als Wunschmieter

Mit den Wunschmietern - Prada, Tod's und ähnlich klingende Namen - werden nun Verhandlungen aufgenommen. Zusätzlich zu den Topmarken werde man auch das Preissegment darunter ansprechen.

"Es wird aber nur Monobrand-Stores geben und keine Güter des täglichen Bedarfs", so Herscovici. Damit trete das Outlet-Center, das von der Architektur her eher an ein Dorf erinnert, nicht in Konkurrenz mit dem Ortskern Leobersdorf.

29 Cent pro Quadratmeter

Dessen Bürgermeister Anton Bosch kassiert ohnehin schon 29 Cent pro vermieteten Quadratmeter monatlich von den schon bestehenden Einkaufszentren und Supermärkten an Nahversorgungsabgabe.

Die erste Idee zu einem Outlet-Center in Leobersdorf hatte ursprünglich das österreichisch-schweizerische Planungsbüro Sogip, in Österreich betrieben von Walter Guggenberger und finanziert vom Schweizer Industriellen Martin Ebner.

Guggenberger bestätigte bei der Leoville-Pressekonferenz am Dienstag, dass Sogip die Immobilie ab dem Spatenstich an European Outlets verkauft und sich aus dem Projekt zurückzieht.

Hohe Kaufkraft

Die Standortentscheidung sei gefallen, so Herscovici, weil der Bezirk Mödling "eine der reichsten Gegenden Europas ist". Zur hohen Kaufkraft komme, dass jährlich rund 32 Millionen Fahrzeuge die Autobahnabfahrt passierten.

Wolfgang Richter, Chef des Wiener Handelsberaters Regioplan, sagt auf STANDARD-Anfrage zum Projekt: "Es ist möglich, aber sehr schwierig, ein florierendes Center auf diesem Standort zu errichten." Die Kaufkraft sei zwar hoch, aber ebenso die Dichte der schon bestehenden Verkaufsflächen.

Über den Erfolg von Leoville werde entscheiden, ob es den Betreibern gelingt, wirklich die Topmarken dazu zu bringen, dass sie an diesen Standort glauben. Das müsse sich noch vor dem Spatenstich entscheiden. (DER STANDARD Printausgabe, 19.11.2003, Leo Szemeliker)