Das Anforderungsprofil bei Arbeitseinsteigern in Zeiten des stetigen Wandels der Unternehmen hat sich gehörig verändert, stellte der Vorstand des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), Herbert Böhm, gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion zum Thema "Das Know-how der Zukunft. Schafft Qualifikation neue Arbeitsplätze?" fest. "Fachliches Wissen und soziale Kompetenz sind heute die Eintrittskarten für gut bezahlte Jobs", erklärte er. Der Bedarf der Wirtschaft habe sich drastisch verändert, und das AMS reagiere bereits mit eigenen Programmen für Jugendliche, Frauen und Personen ab 45 Jahren darauf, um für den Arbeitsmarkt der Zukunft gerüstet zu sein. "Ausbildung" als Notwendigkeit

Für Kurt Babirath, Leiter des Personalmanagements der Post AG, ist das Thema "Ausbildung" für jeden einzelnen Mitarbeiter eine Notwendigkeit. Dem trägt sein Unternehmen mit einem eigenen Ausbildungszentrum Rechnung. Neben Qualifikation sei jedoch auch das Thema Flexibilität wichtig. Babirath: "Auch bei den Beamten der Post spielt das Thema Karriere eine wichtige Rolle."

Johannes Thaler, Personalchef von Hutchison 3G Austria, sagt, dass Qualifikation nur mit Fachwissen bewältigbar sei. "Wir legen bei unseren Mitarbeitern aber auch sehr viel Wert auf Kompetenz, Schlüsselqualifikation, unternehmensspezifisches Wissen und Fachwissen. Wer diese vier Eigenschaften vereint, kann bei uns schnell aufsteigen." Was Arbeitsplätze schaffe, sei vor allen Dingen zunächst einmal die Nachfrage. Unternehmen müssten damit leben, denn: Qualifikation sei wichtig, wenn genügend Arbeitsplätze vorhanden sind.

Fach- und Gebrauchswissen, soziale Kompetenz

Für Gerhard Flenreiss, General Manager beim Personalbereitsteller Manpower, zählen Fachwissen, in der Schule Gelerntes (Flenreiss nennt es "Gebrauchswissen") und soziale Kompetenz zu den Schlüsselqualifikationen eines guten Mitarbeiters. "Immerhin passieren 90 Prozent der Fehlbesetzungen in Unternehmen aufgrund fehlender Problemlösungskompetenz." Früher, sagt Flenreiss, "vermittelten wir vor allem Handwerker, heute sind es Wissensarbeiter".

Trude Hausegger, Geschäftsführerin der Prospect Unternehmensberatung, geht sogar noch einen Schritt weiter: "Eine breite Ausbildung erhöht die Beweglichkeit am Arbeitsmarkt", sagt sie. Investitionen in den Bildungsbereich seien ebenso wichtig wie Investitionen in Forschung und Entwicklung. Je ausgebildeter eine Belegschaft sei, desto mehr könne das Unternehmen forschen und entwickeln.

Wo will ich schneller sein?

AMS-Chef Herbert Böhm schloss mit den Worten Helmut Qualtingers: "Wenn ich nicht weiß, wohin ich will, hat es keinen Sinn, früher dort zu sein." Für Böhm ein Schlüsselsatz, denn: "Viele Betriebe haben zwar gute Mitarbeiter, deren genaue Qualifikation kennen sie aber nicht." (Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.11.2003)