Wien - Auf eine "offensichtliche Kooperation zwischen dem Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) in Wien und der Neonaziszene" weist das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) hin. Der Hauptgrund: Nach einer Meldung der deutschen laut DÖW neonazistischen Internet-Plattform Stoertebeker-Net findet sich Clemens O., einer der Hauptorganisatoren der Kundgebung gegen die Wehrmachtsausstellung am 13. April 2002 am Wiener Heldenplatz, im Vorstand des Bundes-RFJ. Der Obmann des Rings, Johann Gudenus, wies die DÖW-Vorwürfe zurück.

Dass Clemens O., Sprecher der Plattform gegen die Schändung des Andenkens Verstorbener, Mitglied des RFJ-Vorstands ist, wird durch eine Liste des gesamten Vorstandes bestätigt. Dem Stoertebeker-Net zufolge ist er auch Personalreferent des RFJ. Laut DÖW mobilisierte die Plattform - wie der oberösterreichische Bund freier Jugend - auch für eine Demo gegen die Wehrmachtsausstellung in Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg im vergangenen Juli, die der Hamburger Neonazi Christian Worch angemeldet hatte.

Gudenus: "Bienenzüchterverein"

Dazu Johann Gudenus gegenüber der APA: "Das Urteil des DÖW ist mir genauso wichtig oder unwichtig wie das Urteil des Bienenzüchtervereins." Es handle sich um das Urteil "eines Privatvereins". Gudenus weiter: Man kann schon Gerichtsurteilen entnehmen, dass das DÖW eine kommunistische Tarnorganisation genannt werden darf." Das Dokumentationsarchiv lege den Begriff Neonazi-Szene "sehr extensiv aus".

Neben Clemens O. befindet sich auch Nikolaus A. laut der Liste als Bundesgeschäftsführer im Bundesvorstand des RFJ - und das als rund 40-Jähriger. Nikolaus A. wurde bereits vor einigen Jahren als Obmann einer Landesorganisation aus dem RFJ ausgeschlossen. Er selbst dazu zur APA: "Das war vor zehn Jahren, weil ich angeblich rechtswidrig (gegen das Statut des RFJ, Anm.) den Vereinssitz gewechselt habe. Damals gab es interne Machtkämpfe um den damaligen Bundesobmann Roman Haider." Das sei dann von seinen Gegnern ausgenutzt worden. Nikolaus A. ergänzte: "Gegen das 'profil' und den 'Standard' habe ich Prozesse geführt und gewonnen, weil die geschrieben haben, ich hätte rechtsextreme Aussagen getätigt." Zu Clemens O. sagte Nikolaus A., dessen Mitgliedschaft beim RFJ sei derzeit ruhend gestellt.

Gudenus dementierte ebenfalls fragwürdige Aussagen seines Bundesgeschäftsführers - dieser wäre andernfalls nicht mehr beim RFJ. "Bei uns haben solche Elemente nichts zu suchen. Wir lehnen jede Form des Sozialismus ab und also auch den Nationalsozialismus." Laut Statut sei übrigens auch Personen die Mitgliedschaft beim RFJ möglich, die - so sie eine Funktion inne haben - älter sein könnten als bei einer Jugendorganisation üblich. Der Altersschnitt des RFJ wurde von Gudenus mit "16 bis 18 Jahren" angegeben.