Wien - Der Vorstand der Austrian Airlines (AUA) hat sich am Mittwoch mit dem gemeinsam von AUA-Management und Arbeitnehmerseite am Montag ausverhandelten Kompromiss über Sparmaßnahmen im Flugbetrieb zufrieden gezeigt. Die Grundsatzvereinbarung stelle die "Basis für marktkonforme Expansion" und eine Weichenstellung "für eine graduelle Senkung der Produktionskosten" dar, stellte AUA-Vorstandsvorsitzender Vagn Sörensen in einer Pressemitteilung fest.

Man habe gemeinsam eine "Win-Win-Situation" erreicht, "das Optimum aus betriebswirtschaftlicher Zielsetzung, Arbeitsplatzabsicherung und Gestaltung von Wachstumsperspektiven", betonte Sörensen.

Nichts Konkretes zum Sparpaket

Zum gesamten Volumen des Sparpakets wurden auch heute keine konkreten Angaben gemacht. Finanzvorstand Thomas Kleibl merkte nur an, mit Hilfe der vereinbarten Sparmaßnahmen könne die AUA-Gruppe "annähernd das angestrebte Kostensenkungspotenzial realisieren". Vor dem Kompromiss hatte der Vorstand Einsparungen von 30 Mio. Euro bis 2008 angestrebt.

Detailauswertungen könnten erst mit der Umsetzung des neuen Kollektivvertrags bekannt gegeben werden, so Kleibl. Die strukturellen Effekte würden sich jedenfalls mit fortschreitender Laufzeit zunehmend kostensenkend auswirken. Die geplante Zusammenführung des Flugbetriebs von Austrian und Lauda Air ergebe "einschleifend über 10 Jahre bei der Lauda Air eine gewichtete Kostensteigerung von 15 Prozent".

Details

Die Details zum vereinbarten Kompromiss sollen nun in Arbeitsgruppen ausgearbeitet werden. Wann damit genau begonnen wird, war heute noch offen. Ab April 2004 wolle die AUA bereits mit der Umsetzung des neuen Kollektivvertrags beginnen, so Marketingvorstand Josef Burger. Die Zusammenführung des Flugbetriebs von Austrian und Lauda Air ermögliche "eine flexiblere Einsatzplanung unter einheitlich abgestimmten Voraussetzungen", betonte Flugbetriebsvorstand Walter Bock.

Der nach monatelangen Verhandlungen, die zuletzt in einem mehr als 30-stündigen Verhandlungsmarathon gipfelten, erzielte Kompromiss sieht wie berichtet die Zusammenführung der Flugbetriebe von Austrian und Lauda Air vor. Die Gehaltstabelle der Austrian-Piloten wird demnach um 3 Prozent abgesenkt. Das Pensionsalter der Piloten wird von 60 auf 61,5 Jahre angehoben, gab die AUA heute bekannt.

Pensionssystem

Aus dem bisher leistungsorientierten Pensionssystem wird künftig ein beitragsorientiertes System mit einem dreiprozentigen Beitrag für neueintretende Piloten. Weiters wird ein zweites Gehaltsschema für neu eintretende Piloten geschaffen, das gewichtet etwa 27 Prozent unter dem bisherigen Austrian-Niveau liegt. Auch für neueintretende Flugbegleiter gibt es künftig ein zweites Gehaltsschema, das sich am heutigen Niveau der Lauda Air orientiert.

Die Arbeits- und Ruhezeitenregelungen der Austrian-Mitarbeiter werden an jene der Lauda Air angepasst. Davon erwartet sich das AUA-Management eine Produktivitätssteigerung von rund 5 Prozent.

Im Regionalflugsegment, wo derzeit mit Fokker- und Canadair-Maschinen geflogen wird, soll es eine Flottenbereinigung geben, die Regionalflotte soll künftig durch Austrian arrows (vormals Tyrolean Airways) zusammengeführt werden. Austrian arrows kann künftig Regionalflugzeuge bis zu 110 Sitzplätzen betreiben.

Weiters soll ein Krisenpaket eingeführt werden, das bei gesamtwirtschaftlich bedingten Nachfragekrisen ein Kurzarbeitszeitmodell für einen definierten Zeitraum in Kraft setzt.(APA)