Graz - Die Gesundheit der Männer steht im Fokus des größten deutschsprachigen Kongresses für Allgemeinmedizin, der ab Donnerstag in Graz stattfindet. Das geringe Gesundheitsbewusstsein und der risikoreiche Lebensstil des "starken Geschlechts" schlage sich letztlich in vorzeitiger Erkrankung und Tod nieder, warnt Kongressleiter Walter Fiala im Vorfeld der viertägigen Veranstaltung, zu der rund 2.000 Teilnehmer aus Österreich und dem deutschsprachigen Ausland erwartet werden.

Der kleine Unterschied

Männer sterben früher als Frauen, so viel steht fest. Laut der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin haben Männer mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75,9 Jahren ein um nahezu sechs Jahre kürzeres Leben als Frauen. Männer sterben aber nicht nur früher, ihr Alltag wird im Alter auch oft von gravierenden chronischen Erkrankungen beeinträchtigt. Die Einsicht, dass durch falsch verstandene Männlichkeit - "Männer kennen keinen Schmerz" - viel an Lebensqualität im Alter verloren gehen kann, kommt oft zu spät.

"Männer sprechen nicht über Krankheiten und Schwächen. Und ihre Lebenserwartung ist um sechs Jahre geringer als die der Frauen, sie erleben vier Mal häufiger einen Infarkt und ertränken Insuffizienzgefühle und Depressionen in Alkohol", schilderte Fiala den Status quo der Männergesundheit. "Sie achten weniger auf Krankheitssymptome und berichten diese nur, wenn es ihrem männlichen Selbstverständnis entspricht", so der Kongressleiter. Insbesondere die Allgemeinmedizin sei hier aufgefordert, sensibler für geschlechtsspezifische Erkrankungen zu werden und den Patienten entgegenzukommen.

Abhilfe

Welche Strategien gegen das unzureichende Gesundheitsbewusstsein von Männern entwickelt und angeboten werden müssten, aber auch Erkrankungen wie das Prostatakarzinom, der Problematik des Schnarchens bis hin zu Alkoholismus und der häufigsten Todesursache unter Männern, Herz-Kreislauferkrankungen, sind die 24 Vorträge und über 30 Seminare gewidmet.

Potenzstörungen, so genannte erektile Dysfunktionen (ED), sind ein relativ häufiges Problem, das für Männer zu einer großen Belastung werden kann, so der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Erwin Rebhandl, der selbst auf der Tagung zu diesem Thema referieren wird. "Leider wird die ED noch immer zu selten angesprochen, abgeklärt und behandelt. Es kann auch häufig ein Symptom im Rahmen anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Hypertonie oder koronare Herzkrankheiten sein", so der Allgemeinmediziner. (APA)