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Bush und Blair auf dem Weg in die Downing Street in London.

Foto: REUTERS/Russell Boyce

Als Reaktion auf die Anschläge in Istanbul haben US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair ein noch härteres Vorgehen gegen Terroristen an- gekündigt. Großbritannien, Amerika und andere freie Nationen seien vereint in ihrer Trauer, aber auch vereint in der Entschlossenheit, "das Böse zu bekämpfen und zu besiegen, wo immer es auftaucht", sagte Bush. "Sie (die Terroristen) hassen freie Nationen. Ihre Grausamkeit ist ein Teil ihrer Strategie. Sie wollen uns demoralisieren. Sie müssen gestoppt werden, und wir werden sie stoppen."

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Blair in London stellte der US-Präsident in Aussicht, die amerikanischen Truppen im Irak womöglich noch aufzustocken, statt sie zu reduzieren. Die Übergabe der Regierungsgewalt an ein irakisches Übergangskabinett, geplant bis nächsten Juni, bedeute nicht automatisch ein Zurückfahren der militärischen Präsenz. "Wir könnten dann weniger Soldaten im Irak haben, die gleiche Anzahl wie jetzt oder auch mehr Soldaten als jetzt", so Bush, "was immer nötig ist, um den Irak zu stabilisieren."

Blair betonte, die Bombe vor dem britischen Konsulat in Istanbul ändere nichts an seiner Entschlossenheit, den Kampf gegen den Terror fortzusetzen. "Unsere Antwort ist nicht, nachzugeben oder auch nur einen Zentimeter zurückzuweichen", sagte er. Es dürfe keine Kompromisse mit Terroristen geben, sie müssten attackiert werden, "wann und wo immer wir sie attackieren können". Sein Außenminister Jack Straw hatte zuvor erklärt, die Anschläge trügen die Handschrift von Al-Kaida.

Während Blair und Bush nach außen den Schulterschluss demonstrierten, bleiben Streitpunkte im britisch-amerikanischen Verhältnis auch nach Gesprächen der beiden Politiker ungelöst. So deutet nichts darauf hin, dass Washington im Konflikt um die Stahlzölle gegenüber der EU nachgibt: London steht in diesem Fall an der Seite seiner europäischen Partner.

Unklar bleibt auch, ob neun britische Staatsangehörige, die seit dem Afghanistan-Feldzug im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay inhaftiert sind, in ihr Heimatland zurückkehren dürfen und dort vor Gericht gestellt werden. Allgemein war erwartet worden, dass Bush während seines Staatsbesuches an der Themse einlenkt. Blair, unter starkem Druck von Irakkriegsgegnern, hofft auf eine Geste seines Seniorpartners, die ihn nicht wie den Schoßhund der Allianz aussehen lässt. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2003)