Bild nicht mehr verfügbar.

Der Oppositionspolitiker Ivo Sanader über seine Partei: "Sind im Spektrum der ÖVP oder CDU angesiedelt".

Foto: REUTERS/ Nikola Solic
Europa kommt in jedes Haus. "Die europäischen Volksparteien", sagt CDU-Chefin Angela Merkel, "unterstützen die HDZ und Ivo Sanader", und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber pflichtet ihr bei. Schaltung nach Wien: Oppositionsführer Ivo Sanader sei sein "persönlicher Freund", lässt sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hören. In ihrem Fernsehspot lässt die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) deutschsprachige Politiker mit kurzen Statements für sich werben. Die Rehabilitation ist geglückt: Vier Jahre nach ihrer vernichtenden Wahlniederlage rechnet die Partei des im Dezember 1999 verstorbenen Staatsgründers Franjo Tudjman sich Chancen aus, die Macht zurückzuerobern.

Zur Wahl stehen zwei lose Parteienbündnisse - das eine unter der Führung der Sozialdemokraten (SDP) von Premier Ivica Racan, das andere rund um die HDZ unter Ivo Sanader. Nach den Umfragen könnte die einstige Tudjman-Partei zwar stärkste Kraft werden, eine Regierungsmehrheit aber verfehlen.

Von den gegenwärtigen Regierungsparteien wollen drei auf jeden Fall wieder gemeinsam mit der SDP regieren. Die eher konservative Bauernpartei hat sich nicht deutlich erklärt. Die HDZ kann fest auf die Unterstützung zweier kleinerer Parteien rechnen. Die radikale Rechte, die in drei Formationen antritt, gilt als nicht koalitionsfähig.

EU-Beitrittsantrag

Die Sozialdemokraten, die im Jänner 2000 in einer Listenverbindung mit den späteren Regierungsparteien die Wahl gewonnen hatten, verweisen auf ihre Bilanz: Kroatien hat höhere Wachstumsraten als seine Nachbarländer, eine nach wie vor stabile Währung; die hohe Arbeitslosigkeit von etwa 20 Prozent ist leicht gesunken; die internationale Isolierung der Tudjman-Jahre ist vorbei - im März stellte die Regierung den EU-Beitrittsantrag.

Im Wahlkampf blieben die Regierungsparteien eher blass. Er sei "einer der Anführer in Kroatien", sagte Premier Racan bescheiden in einem Interview. Um in konservative Wählerschichten einzubrechen, haben die Sozialdemokraten einen populären Boxer aufgestellt und lassen eine beliebte Folksängerin auf ihren Wahlveranstaltungen auftreten.

Die HDZ dagegen stellt unter dem Slogan "Bringen wir Kroatien voran!" vor allem ihren Spitzenkandidaten heraus. Der 50-jährige Sanader, der in Innsbruck Philologie studiert hat und fehlerfrei Deutsch spricht, hat in Zagreber Diplomatenkreisen einen ausgezeichneten Ruf: Schon als Vizeaußenminister unter Tudjman gehörte er zu den Gemäßigten in der Partei. Nach dem Tod des Parteigründers sorgte Sanader mit für eine glatte Übergabe der Regierung an die damalige Opposition. Im Kampf um den Vorsitz der HDZ setzte er sich gegen den radikalen Tudjman-Berater Ivic Pasalic durch und drängte ihn und seine Anhänger aus der Partei.

Auch wenn gegen Sanader niemand etwas vorbringt: Der Läuterung seiner HDZ, die unter anderem Kriegsverbrecher hervorbrachte und deckte, unter Tudjman ein byzantinisches Machtsystem entwickelte und als hoch korrupt galt, trauen viele nicht. "Es ist nicht klar, ob Sanader wirklich der Vorsitzende oder doch nur der Sprecher der Partei ist", sagt der Zagreber Politikwissenschaftler Zarko Puhovski. Um sich gegen den Tudjman-Vertrauten Pasalic durchzusetzen, hatte sich Sanader im Frühjahr 2000 mit einer anderen, ebenso weit rechten und von Kriegsverbrechen belasteten Parteifraktion verbündet.

Unter Diplomaten und ausländischen Investoren bekommt die Regierung Racan gute Noten. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen haben Zagreb besucht und der Regierung den Rücken gestärkt. "Die HDZ hat noch zu viele Leichen im Keller", sagt der Vertreter eines westlichen Staates.

Trotzdem schlägt die europäische Perspektive nicht erst seit den Fernsehspots von Schüssel, Merkel, Stoiber eher für die Opposition zu Buche. Kroatiens Beitrittsantrag liegt in Brüssel auf Eis: Briten und Niederländer verlangen, dass Zagreb vor dem Beginn von Verhandlungen den flüchtigen Exgeneral Ante Gotovina an das Haager Kriegsverbrechertribunal ausliefert. "Wenn überhaupt, kann das nur die HDZ bewerkstelligen", sagt Puhovski. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2003)