Wien - Karl Bruckner, Wirtschaftstreuhänder und Regierungsberater in Sachen ÖBB-Strukturreform, kann die Befürchtungen der Eisenbahnergewerkschaft über drohende Verluste im Personen- und Güterverkehr nicht nachvollziehen.

Die Gewerkschaft hantiere mit "Fantasiezahlen". Der Absatz werde ungeachtet der Reform in der Gewinnzone bleiben. 2010 sei nach der Mittelfristplanung der Unternehmensführung mit einem Gewinn von 61 Millionen Euro zu rechnen, sagte Bruckner.

Lediglich der Personenverkehr werde 2005 voraussichtlich leichte Verluste schreiben. In Summe würden Personen- und Güterverkehr aber durchgehend positiv bilanzieren und seien außerdem mit üppigem Eigenkapital von knapp 2 Milliarden Euro ausgestattet.

Ergebnisdruck ausüben

Richtig, so der Experte, sei, dass das Infrastrukturbenützungsentgelt (IBE), das der Absatz an die Infrastruktur zahlen muss, im Rahmen der Reform schrittweise angehoben werden soll. Man wolle auf den Absatz einen "Ergebnisdruck ausüben, damit dort auch Einsparungen herauskommen", sagt Bruckner.

Dass der Absatz durch die Anhebung des IBE in die Verlustzone gedrängt werden könnte, sei aber auszuschließen. Die neue Holding und der Eigentümer würden sicherstellen, dass Infrastruktur und Absatz "nicht autonom entscheiden" werden.

Keine Zerschlagungskosten

Außerdem dementiert Bruckner, dass durch die Teilung der Bahn - geplant sind vier AGs und fünf GmbHs - Zerschlagungskosten entstehen könnten. Dies sei mit den ÖBB "x-fach ausdiskutiert" worden, sagt der Experte.

Schon jetzt seien die ÖBB in mehrere Rechnungskreise geteilt, die Buchhaltungskosten würden daher nur marginal steigen. Verträge unter den Gesellschaften könnten auch derart abgeschlossen werden, dass keine Vertragsgebühren entstünden, die Frage der Körperschaftssteuer werde sich durch die Möglichkeit der Gesamtkonzernbesteuerung lösen und von der Kommunalsteuer würden die ÖBB auch in Zukunft befreit sein, so Bruckner.

Bestätigt wird vom Regierungsberater auch der erhoffte Einsparungseffekt durch die Strukturreform von 370 Millionen Euro bis 2007. "Das kommt im Wesentlichen hin", sagt er.

Das ÖBB-Management sieht den Rechenfehler der Gewerkschaft darin, dass die Gewerkschaft das geplante Rationalisierungsprogramm "Power 2005" nicht berücksichtigt habe. Dies bringe ab 2006 jährliche Einsparungen in Höhe von 290 Millionen Euro und sei in der Rechnung der Gewerkschaft nicht enthalten, sagte ÖBB-Kommunikationschef Michael Hlava am Donnerstag. (APA)