Bild nicht mehr verfügbar.

Ende des offiziellen Teils: George W. Bush verabschiedete sich von der Queen und reiste am Freitag in Tony Blairs Wahlkreis Sedgefield. Dort ging sein Großbritannien- Besuch zu Ende.

Foto: REUTERS/Jason Reed
London war immer stolz auf seine offenen, zugänglichen Auslandsvertretungen, doch das könnte sich nach den Bomben von Istanbul ändern - Britische Zeitungen stellen den Krieg gegen den Terror grundsätzlich infrage.

***

Britische Diplomaten sind eine Klasse für sich, keine Bürokraten auf Außenposten, sondern wirkliche Landeskenner. Wer nach Teheran geht, lernt vorher Persisch, und Konsularbeamte in Istanbul sprechen natürlich Türkisch.

Roger Short, Londons Mann am Bosporus, war ein typischer Vertreter dieser Spezies. Seine Diplomatenkarriere begann er 1969 an der Botschaft in Ankara. Vor knapp drei Jahren ging er nach Istanbul, als Generalkonsul ins Pera House. Weil das Hauptgebäude renoviert werden musste, arbeitete Short vorübergehend in einem Nebengebäude direkt an der Konsulatsmauer.

Am Donnerstag hat Roger Short dafür mit seinem Leben bezahlt. Während der Steinkoloss des eigentlichen Konsulats stehen blieb, wurde sein provisorisches Büro zu einem Trümmerhaufen zerbombt. Der 59-jährige Vater zweier erwachsener Töchter und eines 15-jährigen Sohns hätte noch ein Jahr in Istanbul bleiben sollen, bis zu seiner Pension.

"Müssen wir uns jetzt verbarrikadieren wie die Amerikaner?" Es ist Menzies Campbell, der außenpolitische Sprecher der Liberaldemokraten, der die Frage stellt. US-Botschaften, zumal im Krisenbogen des Nahen und Mittleren Ostens, gleichen hermetisch abgeriegelten Festungen. Die Briten dagegen legten immer Wert darauf, zugänglich zu sein, statt sich einzuigeln.

Es ist noch eine andere, grundsätzlichere Debatte, die dem Kabinett Tony Blairs zu schaffen macht: Was ist die richtige Strategie gegen den Terror? Blair - im Gleichklang mit US-Präsident George W. Bush, den er Freitag zur Stippvisite in seinen Wahlkreis Sedgefield mitnahm - schwor, im Krieg gegen Terroristen nicht zu weichen. Englische Zeitungen dagegen äußerten Zweifel an seinem Konzept.

Kritische "Times"

"Dieser Krieg sieht nicht aus wie eine Schlacht, die gerade gewonnen wird", schrieb der linksliberale Guardian. Der Feind sehe nicht so aus, als befinde er sich auf dem Rückzug. Auch die konservative Times, eher pro Bush und pro Blair, schlug nachdenkliche Töne an. Der Westen habe falsch auf den 11. September reagiert, er hätte Al-Kaidas Einladung zum Krieg nicht annehmen dürfen, kritisierte Kolumnist Simon Jenkins. Der Westen hätte das Netzwerk nicht zu einem neuen bösen Imperium, zum Nachfolger der alten Sowjetunion, erklären dürfen. "Al-Kaida war eine Bande von mörderischen Fanatikern, keine Gefahr für westliche Werte. Eine solche Bande bringt man anders zur Strecke, durch Spione, Bestechung und List." (DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.11.2003)