Die Nagelprobe für den Energiekonzern OMV als ethisch handelndes Unternehmen wird der Umgang mit den viel kritisierten Ecuador-Tätigkeiten sein.

Glopal 2000
Wien - Wenn es nach OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttensdorfer geht, dann ist die ethische Selbstbindung von internationalen Konzernen alles andere als eine vorübergehende Modeerscheinung.

Sie sei vielmehr Garant für die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens und darüber hinaus ein Managementtool, mit dem jedem Mitarbeiter die Richtlinien für korrektes Verhalten an die Hand gegeben werde.

60 Seiten starker Bericht

Fast ein Jahr nachdem sich die in 25 Ländern tätige OMV freiwillig dem "Global Compact", einem von der UNO ausgearbeiteten Ethikcode zur Unternehmensführung verpflichtet hat, präsentierte Ruttensdorfer einen Report, in dem die OMV auf 60 Seiten ihre Leistungen in der ethischen Unternehmensführung bilanziert.

Dazu zählen etwa die Untersuchung von Menschenrechtsverletzung im Umfeld der OMV-Aktivitäten durch unabhängige Experten, die Förderung humanitärer Projekte, ein konzernweites Programm zur Erhöhung der Arbeitssicherheit und Ähnliches mehr.

Window-Dressing

Um den Verdacht zu zerstreuen, dass es sich dabei nur um wohlfeiles Window-Dressing handeln könnte, hatte die OMV Heinz Patzelt, den Generalsekretär von Amnesty International Österreich, eingeladen, der die Implementierung der Ethikprinzipien in der OMV kritisch begleitet.

Mit dieser Kooperation, so Patzelt, habe sich die OMV durchaus eine "Laus in den Pelz gesetzt". Für Amnesty biete die Zusammenarbeit aber auch Gelegenheit, darzustellen, dass die Sorge um die Menschenrechte keineswegs zwangsläufig mit einer pauschalen Wirtschaftsfeindlichkeit einher gehen muss.

Trainer für Menschenrechtsstandards

Das Arbeitsübereinkommen sieht etwa vor, dass Amnesty der OMV Trainer empfiehlt, welche deren angeworbene Sicherheitskräfte in elementaren Menschenrechtsstandards unterweist: ein Training, das in Ländern wie Pakistan oder Ecuador zweifellos Sinn machen dürfte.

Zum Engagement der OMV in Ecuador, das ins Visier von Menschenrechtsaktivisten gekommen ist, meinte Ruttensdorfer, dass ihm dieses zwar ökonomisch Freude mache. Die OMV habe sich die dortigen Aktivitäten, die Anfang 2003 als Teil eines größeren Pakets von Preussag/TUI erworben wurden, aber nicht explizit ausgesucht.

Wenn er einen guten Preis erzielen könne, werde er diese Assets verkaufen. Bis es so weit ist, wird Amnesty aufpassen: Patzelt glaubt, dass die OMV-Tätigkeit in Ecuador eine Art Nagelprobe für die ethischen Standards des Konzerns werden könnte. (DER STANDARD Printausgabe, 22.11.2003 win)