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APA/GINDL Barbara
Wien - Die heftigen Auseinandersetzungen rund um den Voest-Verkauf und die nie ausgeschlossene, mögliche Veräußerung des ÖBB-Güterverkehrs könnten einen Vorgeschmack auf die beiden letzten, großen Privatisierungsvorhaben der Regierung geben.

Nach dem am Freitag abgeschlossenen Verkauf des Edelstahlherstellers Böhler-Uddeholm stehen bis zum Ende der Legislaturperiode die "ÖIAG-Problemkinder" Post und Telekom Austria (TA) auf dem Verkaufsplan.

Zuerst aber steht mit "hoher Wahrscheinlichkeit" der Verkauf der Bergbauholding an, dann erst sollen die beiden Exmonopolisten versilbert werden. In der Post hieß es: "Bis zu den Kärntner Landtagswahlen im März passiert einmal gar nichts, dann kann es lustig werden. Post bekommen alle, mit der Bahn fährt nicht jeder." Ein Börseaufsichtsrat ergänzte: "Um einen höheren Preis zu erzielen, muss die Post erst zwei Jahre lang saniert werden."

Partner willkommen

Wunschpartner für die Staatspost ist die wesentlich größere Deutsche Post, aber auch die niederländische Post sei interessant. Über die Firmenbewertung geistern unterschiedlichste Ziffern herum. Was die US-Investmentbank JP Morgan errechnete, wurde nie offiziell bekannt.

Die TA, an der die ÖIAG 42,7 Prozent hält, ist bereits an der Börse. Das Staatspaket ist rund 2,15 Mrd. Euro schwer. Erst im Sommer wurden die Verhandlungen der ÖIAG mit der teilstaatlichen Swisscom wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen zwar abgebrochen. Ein anderer TA-Käufer ist jedoch nicht in Sicht.

Zum Vergleich: Der Verkauf des Böhler-Viertels (2,75 Millionen Aktien) spült 133,4 Mio. Euro in die Kassa der ÖIAG. Die neuen Aktien kamen am Freitag zu 48,50 Euro je Stück in den Wiener Handel und lagen damit rund drei Prozent unter dem Donnerstagschlusskurs (50,17 Euro).

Raidl zufrieden

"Ich bin sehr zufrieden. Das ist ein voller Erfolg. Der Verkaufspreis liegt mit 48,50 Euro je Aktie weit über dem Durchschnittskurs der letzten fünf Jahre, der bei 44,02 Euro lag", sagte Böhler-Chef Claus Raidl am Freitag zum STANDARD.

Eine feindliche Übernahme, wie sie SP-Wirtschaftssprecher Hans Moser wegen des Abschieds des staatlichen Kernaktionärs befürchtet, sieht Raidl nicht: "Das wird von den Ideologen der Verstaatlichung dafür verwendet, um zu verhindern, dass privatisiert wird."

Ein Finanzinvestor mache so etwas nicht ohne Unterstützung des Vorstands. "Und wir lehnen das ab, denn wir arbeiten nicht, um die Schulden eines Übernehmers zu übernehmen." Und einen "industriellen Übernehmer" gebe es nicht, Thyssen verkaufe selber.

"Tiefe Verärgerung"

"Tiefe Verärgerung" hat die Böhler-Privatisierung beim Chef des Interessenverbandes für Anleger, Wilhelm Rasinger, ausgelöst. Im Grunde hält er den ÖIAG-Rückzug für "gut und sinnvoll", kritisierte jedoch, dass die ÖIAG kaum Interesse an der Beteiligung österreichischer Privataktionäre gezeigt hätte.

Böhler hielt dagegen, fünf Prozent des Aktienvolumens sei an Kleinanleger gegangen. Finanzminister Karl-Heinz Grasser sprach von einer "Bilderbuchprivatisierung". (DER STANDARD Printausgabe, 22.11.2003, Michael Bachner, Luise Ungerboeck )