Wien - Peter ist Maler und Anstreicher, der weder malt noch anstreicht, trotz bester Voraussetzungen. Denn sein Vater ist Maler und Anstreicher und hat sogar eine eigene Firma, in die der bereits übervolljährige Sohn, er hält bei 35, längst hineinwachsen hätte können. - Aber nicht dreimal jährlich, zwischen fremdfinanzierten Abenteuern und zugehörigen Gefängnisaufenthalten. Da blieb der Vater stur.

Im Mai gab es dann auch noch Streit mit der Freundin, die mit ihm bei seiner Mama wohnte. Da zog der Sohn aus und schlief im Hotel. Das kostete 622 Euro. Wer die Rechnung beglich, weiß er nicht. Er jedenfalls nicht. Der Staatsanwalt ebenfalls nicht. Der wirft ihm Betrug vor.

Shoppen

In den nächsten Tagen ging Peter vornehm shoppen. Er kaufte 13 kostbare alte Teppiche. Wer sie bezahlt hat, weiß er nicht. Er jedenfalls nicht. Aber da er eigentlich keine Verwendung dafür hatte, brachte er sie ins Dorotheum. Der Schaden beträgt 30.000 Euro. Wer sie ausgegeben hat, wissen alle. Und dann noch die Sache mit dem Opel Corsa: Den hat Peter für zwei Tage gemietet und behalten. "Warum haben Sie ihn nicht zurückgebracht?", fragt der Richter. "Weil ich ihn gebraucht hab'", erwidert Peter. Nach sechs Tagen holten die sich ihn ohnehin wieder ab. Wer das bezahlt hat, weiß er nicht. Er jedenfalls nicht.

"Ich bin 35 und möcht' eine eigene Familie"

"Wie soll das weitergehen mit Ihnen?", fragt der Richter. "Sie werden jetzt hübsch ein Weilchen sitzen, aber irgendwann kommen Sie ja wieder raus, vielleicht bei einer Weihnachtsamnestie." - "Ich werde bei meinem Vater arbeiten und endlich ein anständiges Leben führen", sagt Peter: "Ich bin 35 und möcht' eine eigene Familie haben." Der Verteidiger gibt zu bedenken: "Er is jo ka Schwerkrimineller, er is a klana Bücha." Sein Vater habe ihm versprochen, er werde den Sohn "ordentlich an die Kandare nehmen".

Der Richter will gütig sein, setzt "auf die sich möglicherweise bildende Erfangung des Angeklagten" und gibt ihm zwei Jahre Haft. Dazu kommen zehn Monate einer aufgehobenen bedingten Strafe. Peter ist empört: "Des is vü zu vü!" Dieses Urteil kann er nicht annehmen. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Prinatausgabe 22/23.11.2003)