Lübeck - Die Lockerung des Embryonenschutzgesetzes könnte nach Ansicht von ReproduktionsmedizinerInnen die Behandlung bei ungewollter Kinderlosigkeit verbessern. Dürften ÄrztInnen unter den im Reagenzglas gezeugten Embryonen den besten zur Einpflanzung in die Gebärmutter auswählen, bliebe vielen Frauen das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft erspart, sagte der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF), Franz Geisthövel, am Freitag in Lübeck.

An dem Symposium, das noch bis zum Sonnabend dauert, nahmen FortpflanzungsmedizinerInnen aus dem In- und Ausland teil. Kritik übten die MedizinerInnen auch an dem Beschluss der deutschen Bundesregierung, die Kostenübernahme durch die Krankenkassen bei künstlicher Befruchtung von bisher vier auf drei Behandlungen zu begrenzen. Der dadurch entstehende Erfolgsdruck werde dazu führen, dass Paare künftig wieder häufiger auf der Einpflanzung von mehreren Embryonen bestehen würden, sagte Geisthövel. "Das wäre ein echter Rückschritt, dann würden wieder mehr Mehrlingsschwangerschaften mit allen Risiken für Mütter und Kinder zu Stande kommen", sagte er. Zur Zeit dürfen Frauen bei der Künstlichen Befruchtung höchstens drei Embryonen eingepflanzt werden.

Gerechtfertigte Kosten

Der Sprecher der DGGEF, Wolfgang Würfel, sagte, die neue Regelung sei auch unter dem Aspekt der demographischen Entwicklung unverständlich: Wenn Paare unbedingt Kinder bekommen wollen, sollte ihnen auch auf Kosten der Solidargemeinschaft geholfen werden.

Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundesverbandes der Reproduktionsmedizinischen Zentren, Michael Thaele, werden in zehn Jahren bis zu zehn Prozent aller Neugeborenen mit medizinischer Hilfe gezeugt worden sein. Hauptgrund dafür sei, dass sich Paare immer später entschlössen, ein Kind zu bekommen. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland knapp 13.000 Kinder nach assistierter Reproduktion geboren, das waren 1,2 Prozent aller Neugeborenen. (APA/dpa)