Washington - In einer dramatischen Abstimmung hat das US- Abgeordnetenhaus Samstag früh eine Reform der staatlichen Gesundheitsversorgung beschlossen. Nach nächtlichen Anrufen von Präsident George W. Bush bei "skeptischen" Abgeordneten gelang es seiner Republikanischen Partei mit 220 zu 215 Stimmen, die Blockadeversuche der Demokraten zu überwinden. Die Vorlage geht jetzt zum Senat, wo eine Abstimmung am Montag erwartet wird.

Bei dem Gesetz geht es um die größte Umwälzung der staatlichen Krankenversicherung seit ihrer Einführung vor 40 Jahren. Für 40 Millionen Amerikaner über 65 werden nun erstmals Arzneimittelkosten abgedeckt. Präsident Bush erklärte am Samstag, das Gesetz helfe vor allem Senioren, die hohe Kosten hätten. So habe ein Rentner, der Medikamente gegen seine Arthritis, seinen hohen Cholesterinspiegel und seine Migräne brauche, bisher 3000 Dollar im Jahr ausgeben müssen. Künftig werde es nach Abzug der Versicherung weniger als die Hälfte sein.

Die Führung der Demokraten, die traditionell für eine breitere Gesundheitsfürsorge kämpfen, lehnte das Gesetz in seiner jetzigen Form ab. Viele Demokraten sehen darin vor allem einen Sieg der Pharma-Industrie und der großen Versicherungen, da viele Mitglieder des staatlichen Medicare-Programms in die private Gesundheitsversorgung gedrängt würden. Der demokratische Senats- Minderheitsführer Tom Daschle bemängelte zudem: "25 Prozent der Senioren fahren mit diesem Gesetz schlechter als zuvor." (APA/dpa)