"Was geht und kommt immer wieder? Die Elektrizität. Und was ist gekommen und geht nie wieder weg? Opa Schewardnadse." Seit Samstag dürfte dieser Witz in Georgien nicht mehr erzählt werden. Das politische Ende hat Eduard Schewardnadse nun offenbar ereilt. Fluchtartig musste der georgische Präsident am Samstag das Parlament verlassen; seit Sonntag steht es fest, dass der clevere Veteran nicht mehr dorthin zurückkehren wird.

Den politischen Überlebenskünstler, der seine Karriere bereits mit 20 begann, wollte man schon öfters loswerden. 1995 und 1998 entging der georgische Präsident nur knapp zwei Anschlägen - gemunkelt wird, dass russische Drahtzieher dahinter standen. 2001 überstand er mit einem taktischen Meisterstück auch Massendemonstrationen gegen TV-Zensur. Gerade die problematische Elektrizitätsversorgung wurde für den 1928 im georgischen Mamati Geborenen zum Symbol eines Misserfolgs, zu dem allerdings auch Russland einiges beitrug, indem es immer, wenn es Druck auf Georgien ausüben wollte, den Energiehahn abdrehte. Schewardnadse enttäuschte aber selbst viele Hoffnungen, nachdem er 1992 nach dem Sturz des ersten georgischen Präsidenten, Swiad Gamsachurdia, die Macht an sich gerissen hatte.

Er war unfähig, die Verarmung der einst reichsten Sowjetrepublik zu stoppen. Auch den Krieg mit Abchasien oder die Abspaltung Südossetiens konnte der Vater zweier Kinder genauso wenig verhindern wie die Verwandlung Georgiens in ein Eldorado der Korruption. Hatte er diese zu Sowjetzeiten noch vehement bekämpft, wendete sich später das Blatt: Sein Clan und seine Vertrauten kontrollieren weite Teile der Wirtschaft. Seine Tochter Manana hat die Film-und TV-Branche des Landes im Griff, ihrem Gatten Georgi gehört ein Drittel des Mobilfunkunternehmens Magti GSM, und sein Neffe Nugsar mischt in der Öl- und Gasbranche kräftig mit.

Seine große Beliebtheit im Westen verdankt Georgiens einstiger KGB- und dann Parteichef (1972-1985) seiner Zeit als sowjetischer Außenminister unter Michail Gorbatschow. Er war an der Perestroika, dem Fall des Eisernen Vorhangs und der deutschen Einheit maßgeblich beteiligt. Das machte ihn zur Reformlegende und sicherte ihm westliche Hilfsgelder und Sympathiewerte, die er im postsowjetischen Georgien allerdings nur kurz genoss.

Der mit einer Journalistin verheiratete Schewardnadse hatte zuletzt den Machterhalt bis zum Ende der Amtszeit 2005 zu seinem Ziel erhoben und die Zeichen, die ihm einen Abgang nahe legten, verkannt. Letzte Woche soll er sich angeblich eine Villa für elf Millionen Euro in Baden-Baden zugelegt haben. Offen ist nur noch, wann das One-Way-Ticket gelöst wird. (Eduard Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2003)